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Die imposantesten Golflöcher weltweit

Eine Zusammenstellung der zehn größten Golflöcher der Welt - subjektiv und mit Mut zur Lücke.

04. September 2020

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Es sind die Geschichten, es ist der Mythos. Es ist die Optik, es sind die Bilder. Es sind die Schwierigkeiten, mit denen der Golfer zu kämpfen hat. Es ist das Zittern, mit dem er seinen Ball zum Abschlag legt. All das macht ein Loch aus, das weltweit Bewunderer anlockt, das jeder Golfer irgendwann einmal - sofern möglich - spielen will. Es sind die Löcher, die manchmal sogar größer sind als der Kurs, der sie beheimatet. Die Redaktion hat eine eigene Liste persönlicher Favoriten erstellt. Es ging um Wiedererkennung, Mythos, Geschichte, Drama, Ästhetik, Natur und Design.

Platz 10 - Ballybunion, Irland, Loch 11

Der Aufstieg des Old Course im Ballybunion Golfclub beginnt 1957, als die Irish Professional Championship im Südwesten Irlands gastiert. Schon 1970 gehört der Kurs laut Herbert Warren Wind (immerhin Namensgeber der Amen Corner in Augusta) zu den 20 besten der Welt. Tom Watson ist ein Captain des Clubs, 1995 war er an der Renovierung beteiligt und Bill Clinton schlug während seiner Präsidentschaft hier schon ab.

Doch das sind alles nicht die Hauptgründe, warum es das 412 Meter lange Par 4 an der Westküste Irlands in diese Liste geschafft hat. Zwischen Dünen hindurch schlängelt sich die berühmte Bahn, immer am Wasser entlang. Ein Traum in Links, den manche auch mit einer Achterbahn vergleichen. Scharfkantig hebt sich das Fairway von den grasbewachsenen Dünen ab. Hier ist Golf weniger Sportgeschichte denn pure Schönheit des Spiels und ein Genuss für Schläger und Augen.

Designer: James McKenna

Platz 9 - Whistling Straits, Wisconsin, Loch 17 - Pinched Nerve

223 Yards sind es von Abschlag zum Loch. Auf dieser Bahn darf eigentlich nahezu gar nichts schief laufen. Dazu der passende Name: Eingeklemmter Nerv. Als würde sie ein selbiger plagen - so stehen sie da, die Profis am Tee der 17. Bahn von Whistling Straits, Austragungsort der diesjährigen PGA Championship.

Und die Sorgenfalten sind berechtigt: Geht der Abschlag zu weit nach links – nur ein kleines bisschen – dann hat das die selben Auswirkungen, als würde ein Anfänger einen Hook direkt im Lake Michigan versenken. Wer es zu weit rechts versucht, hat komplizierte Sandspiele in ein Paar der Tausend Bunker des Straits Course vor sich, die aufgrund des kleinen Grüns auch wieder schnell im Wasser enden können. Ein klassisch, ekelhaftes Küsten-Par-3 – einfach wunderschön.

US-Golfer Briny Baird führte 2004 bei der PGA Championship im Laufe der dritten Runde. Dann setzte er eben an dieser 17 den Ball über die Klippe – Triple Bogey, raus aus dem Rennen. Im selben Jahr hatte Phil Mickelson kurz vor Schluss noch die Chance zum Sieg. Doch ihm missglückte der Birdie-Putt aus viereinhalb Metern. Noch schlimmer: Er landete im Sand und notierte ein Bogey, nur Platz sechs. Zwei von vielen Schicksalen am "Pinched Nerve". Auch deswegen ist es umso schöner, wenn man den Ball nach drei Schlägen aus dem Loch holen kann. Selten freut man sich so über ein Par.

Designer: Pete Dye

Platz 8 - Legend Golf & Safari Resort, Südafrika, 19. Loch

Dürfen wir vorstellen: das längste Par 3 der Welt. 830 Meter lang und dennoch mit Birdiechance. Im Legend Golf & Safari Resort können 18 von Golf-Stars designte Bahnen gespielt werden. Von der Immelman-Eins über die Harrington-Zehn bis zur Goosen-18 - und einer 19. Bahn, geschaffen von Mutter Natur.

Mit dem Hubschrauber (Kosten: 250 Euro) geht es auf einen 430 Meter hohen Hügel, wo neben dem Tee auf einem Felsvorsprung eine kleine Lounge wartet, in der auf Bildschirmen der Schlag und der Ballflug, der 20 Sekunden dauert, noch einmal verfolgt werden können. Mittels Computerchips werden die Bälle dann – im Falle des Falles - geortet. Das Grün in der Ebende hat die Form des afrikanischen Kontinents und ist tatsächlich auch zu treffen (horizontaler Weg: 400 Meter), wie diverse Videos bei Youtube beweisen. Padraig Harrington gelang hier als erstem ein Par. Inzwischen sind auch zwei Birdies notiert. Pitchmarken sollten jedoch zwingend entfernt werden.

Wem ein Hole-in-one gelingt, darf sich über eine Million US-Dollar freuen. Dann lohnen sich auch die 250 Euro für den Helikopter.

Designer: David Riddle

Platz 7 - Royal Troon, South Ayrshire, Schottland, Loch 8 - The Postage Stamp

Fünf Bunker bewachen das Grün. Experten nennen sie tödlich, weil sie sich so bedrohlich um das winzige grüne Stück Golfplatz legen. Eines der Sandhindernisse heißt "Coffin-Bunker" – und "Sarg" ist wirklich ein treffender Begriff. Auch das enge Grün hat einen eigenen Namen und leiht diesen der gesamten Bahn: "Postage Stamp" – so klein wie eine Briefmarke wirke das Grün, schrieb der Journalist Willie Park in der Golf Illustrated.

Wenn ein Loch und seine Charakteristika eigene Namen bekommen, spricht das für den Mythos, den sich eine Spielbahn durch Erscheinen und Geschichten erarbeitet hat.

Und Loch Acht des Royal Troon in der schottischen Region Ayrshire hat neben zwei Eigennamen seit 130 Jahren auch noch andere Dinge zu bieten: Das Par 3 ist mit 112 Metern das kürzeste Loch aller Austragungsorte der Open Championship. Dank seiner Bunker um die "Briefmarke" ist es jedoch gleichzeitig eines der bedrohlichsten. Landet der Abschlag nicht perfekt auf dem hügeligen Grün, ist das Bogey schon vornotiert.

Tiger Woods lochte bei seiner ersten Open 1995 mit dem sechsten Schlag. Als Greg Norman 1989 seinen Platzrekord aufstellte (64), musste er sich an der Acht mit einem Bogey zufriedengeben. Insgesamt achtmal war die Open seit 1923 in Westschottland zu Gast. Damals bereits am Start: Gene Sarazen. Dem Masters-Sieger gelang 50 Jahre später ein Hole-in-One auf der Acht (1973). Nur einen Tag später legte der damals 71-Jährige mit einem Birdie nach. Eine großartige Leistung – zumal er beide Male ohne Putter auskam.

Designer: James Fernie

Platz 6 - TPC Scottsdale, Stadium Course, Arizona, Loch 16

20.000 Zuschauer an einem Loch, einem Par 3, verteilt um gerade einmal knapp 150 Meter. Keine Frage, die 16. Spielbahn des TPC Scottsdale ist das lauteste Loch auf allen Profitouren weltweit. Und allein deswegen hat es seinen Platz in dieser Liste sicher.

Wie Gladiatoren marschieren die Golfer vom 15. Tee durch einen Tunnel auf den Abschlag, spielen das Par 3 und verschwinden durch einen weiteren Tunnel zum 17. Loch. Zwischen den dunklen Gängen liegt eine Spielbahn, die alleine einen ganzen Kurs definiert wie kaum eine andere irgendwo sonst. Und das nur durch das Drumherum. Das Loch an sich mit seinen sechs Bunkern um ein mittelschweres Grün hat es noch nie in die erste Hälfte der schwierigen Löcher des Stadium Courses geschafft.

Die auszeichnenden Merkmale sind nicht sportlicher Natur: Für Anthony Kim ist die berühmte Stadionbahn fast wie das Staples Center in Los Angeles, Camilo Villegas sagt, es gebe nur ein Loch wie dieses auf der Welt. "Ich weiß, dass dort viel Alkohol serviert wird...“, so der Kolumbianer.

Der Alkohol ist wirklich ein Problem gewesen in vergangenen Jahren. Da sich die Profis erst ab Mittag, die Spitzenleute sogar erst am späten Nachmittag am Tribünenloch einfinden, ist die promille-getränkte Geräuschkulisse nicht für jeden genießbar. Dennoch erreichen die Karten weiterhin – zu Recht - komplett den freien Verkauf.

Über die Jahre haben sich so je nach Tag verschiedene Zuschauervölkchen gebildet. Am Freitag dominieren High Heels und Silikon die Tribünen, Golf ist dann eher Nebensache. Samstags kommen die Studenten, Golf-Fans der Fußballersorte, die ordentliche Stimmung garantieren. Am Finaltag nehmen dann die Hardcore-Golffans Platz. Das war besonders zu den Zeiten zu beobachten, als auf dem TPC Scottsdale die FBR Open ausgetragen wurden, die am ersten Sonntag im Februar ohne die SuperBowl-Anhänger auskommen musste. 2010 fand auf dem Kurs erstmals die Waste Management Open statt - vier Wochen später, aber genauso laut.

Designer: Tom Weiskopf & Jay Morrish

Platz 5 - Turnberry, Ailsa Course, Schottland, Loch 9 - Bruce's Castle

Es gibt viele Gründe, dass einem an der neunten Bahn auf dem Ailsa Course in Turnberry der Atem stockt: Der fast 200 Meter lange Abschlag über die Brandung auf ein unsichtbares Fairway, die märchenhafte Szenerie mit Blick auf den berühmten Leuchtturm, den Ailsa Rock in den Wellen oder die Ruine von Bruce’s Castle, dem Geburtsschloss des schottischen Heldenkönigs aus dem 13. Jahrhundert, dem das Loch seinen Namen verdankt. Oder ist es doch der unheimlich stürmische Wind, der einem auf dem winzigen Abschlag so ins Gesicht blasen kann, dass Atmen unmöglich erscheint.

Es ist wohl von allem ein bisschen an diesem Par 4, 415 Meter lang, dem Höhepunkt einer Reihe von spektakulären Löchern zwischen der 4 und der 11, die den 1902 geplanten Kurs an der Westküste Schottlands entlang führen. Im 2. Weltkrieg fungierte der Kurs als Start- und Landebahn, nach dem Krieg überarbeitete Phillip Mackenzie Ross den von Willie Fernie designten Platz, der sich als einer von neun Links-Kursen als Austragungsort der Open Championship rühmen darf (6,6 Kilometer, Par 70). Für viele ist der Ailsa Course, benannt nach dem Landbesitzer, der dritte Marquess of Ailsa, das Beste, was die britischen Inseln zu bieten haben.

Inklusive des typischen Wetters. Der heimische Ayrshire-Schotte pflegt dann auch zu sagen: "Wenn Du den Ailsa-Felsen vom Festland sehen kannst, wird es regnen. Wenn nicht, regnet es."

Designer: Willie Fernie, Mackkenzie Ross

Platz 4 - Pebble Beach Golf Links, Kalifornien, Loch 7

Es heißt, man könne die siebte Bahn des Pebble Beach Golf Links vom erhöhten Abschlag mit dem Putter spielen. Diese Geschichte wird an der kalifornischen Küste gerne erzählt. Ob mit dem Putter auch das Par erreicht werden kann, ist nicht gesichert. Die Anekdote vom Golfer, der nach seinem "Ab-Putt" und einem abschließenden Up-and-Down aus dem Bunker das Par schaffte verdeutlicht aber schlüssig die Ecken und Kanten dieses Par-3-Lochs.

Gerade einmal 97 Meter ist die Bahn lang, fast hundert Meter kürzer als das Par 3 an der 17. Wenn der Wind heftig vom Meer her bläst – und das tut er häufig - muss der Abschlag ohne Angst Richtung Wasser geschlagen werden. Bei Seitenwinden kommen nicht nur zwei Bunker ins Spiel, die gefährlich das Grün umschlingen. Auch die Brandung links und rechts ist nicht selten Empfänger von Hooks und Pushs. Der Wind ist der große Gegner. Kein Wunder, dass mancher Amateur bei knapp hundert Metern Entfernung zum flachen Spiel tendiert.

Doch auch ohne Wind ist die Sieben eine haarige Angelegenheit: Die Landezone des wohl am häufigsten fotografierten Lochs weltweit ist winzig, die geringe Entfernung lässt zudem keinen wirklich vollen Schwung zu. Da jedoch die Entfernung oft über die Schläger gemanagt wird, müssen sich die Spieler dem Loch ungewohnter Maßen mit Feingefühl und Raffinesse nähern.

Jack Nicklaus gelang hier das Birdie bei seinem US-Open-Sieg 1972, 1992 Tom Kite ebenfalls mit einem gelochten Pitch. Auch er war wenig später Major-Sieger.

Designer: Jack Neville and Douglas Grant

Platz 3 - Augusta National, Georgia, Loch 12 - Golden Bell

Friedlich liegt es da, umrandet von Azaleen, bewaldeten Hügeln, durchzogen von Raes Creek, über den sich urzeitlich die steinerne Ben-Hogan-Bridge ausbreitet. Es gibt sich idyllisch, das zwölfte Loch des National Golf Club von Augusta. Mit gut 140 Metern ist es zudem das kürzeste des Masters-Kurses. Doch hinter der atmosphärischen Lieblichkeit von "Golden Bell“ schlummert der Albtraum der Golfelite.

Für Jack Nicklaus ist das Par 3 das schwierigste Loch im Turniergolf. Lloyd Mangrum, zweimal Zweiter in Augusta, nennt es gemein, Fuzzy Zoeller gruselig. Und Carl Jackson, seit 1961 Caddie im National Golf Club und zweimal siegreich mit Ben Crenshaw, offenbarte: "Ich habe das Ben nie erzählt, ab jedes Mal, wenn wir das elfte Grün verlassen haben, habe ich ein kurzes Gebet gen Himmel geschickt. Ich dachte, wir brauchen auf der 12 jede Hilfe, die wir kriegen können."

Denn neben aller Schönheit ist das Herz der berühmten Amen Corner eine große Herausforderung für die Golfelite. Auch wenn das Grün nicht so winzig ist wie anderswo, sein starkes Gefälle nach vorne, die unglaublich feste, schnelle Oberfläche, die drei lauernden Bunker und das drohende Wasser rechts vorne begraben die Hoffnung auf viele Birdie-Chancen.

Hinzu kommt in der Regel ein Wind von links, der den nervösen Abschlägern noch in zusätzliches Zittern versetzt, da er nur schwerlich einzuschätzen ist. "Der Wind am Tee ist unbedeutend, es zählt nur der an der Fahne“, sagt Curtis Strange. "Es ist der einzige kurze Schlag, den ich in Eile schlage, wenn ich den Wind habe, den ich will.“

Bis in dieses Jahrzehnt war die zwölfte Bahn die härteste des Augusta National. 3,26 Schläge im Schnitt verdeutlichten die Schwierigkeiten des "Loch fatale“. Heute liegt der Schnitt sogar bei 3,30 – doch seit das Tee an der Zehn nach hinten verlegt wurde, sind die Scores dort noch ein wenig höher (4,32). Aber die Schönheit, gepaart mit Drama und voller Zuschauertribüne in der Amen Corner, verleihen Loch 12 den Glanz der namensgebenden Forsythien.

Tiger Woods schlug 2000 seinen vom Winde verwehten Ball am ersten Tag ins Wasser und notierte eine Sechs, die zu einer 75 führte. Er sollte sich davon nicht erholen und wurde Fünfter. Woods gewann daraufhin alle drei weiteren Majors des Jahres. Gut möglich, dass ihn "Golden Bell“ den Grand Slam gekostet hat.

Designer: Alister MacKenzie

Platz 2 - St. Andrews, Old Course, Schottland, Loch 17 - Road Hole

Für die einen ist es das schwierigste, für die anderen das berühmteste Par 4 der Welt. Beide Thesen haben ihre Berechtigung, nicht erst, seit die 17. Bahn des Old Course für die diesjährige Open Championship im Juli noch einmal um 40 Yards auf 495 Yards verlängert wurde.

Direkt vom neuen Abschlag geht es – wenn man es auf direktem Wege versucht – über ein Nebengebäude des angrenzenden Old Course Hotels. Das Fairway ist vom Tee nicht zu sehen. Der Abschlag geht buchstäblich ins Blaue, bei schottischer Großwetterlage oftmals auch ins Graue. Jeder Profi hat so seine eigene Markierung, wo er den Ball über die Baracke mit der Werbeaufschrift "Old Course Hotel" schlägt.

Doch auch bei gelungenem Drive trauen sich bei weitem nicht alle Golfer mit dem zweiten Schlag aufs Grün. Schuld daran ist einerseits der erste dokumentierte Bunker der Golf-Geschichte, der Road Bunker aus dem Jahre 1842, der mit seiner hohen, senkrechten Kante Richtung Grün schon etliche Spieler zur Verzweiflung brachte. Er erklärt kurze Schläge, besonders vom linken Fairway, zum Tabu, auch weil das Grün Richtung Sand ein wenig abfällt.

Was jedoch freilich kein Grund ist, aus Sicherheitsgründen dem Ball mehr Länge zu geben. Hinter dem Grün wartet: die Road. Angrenzend an das kurze Gras begrüßt der noch flachere Asphalt zu lange Bälle, eine kleine Steinmauer erhöht das Frustpotenzial. Das Grün wird zu einer kleinen, lebensrettenden Insel, die selbst bei ordentlicher Ansteuerung keine Garantie für Bleiberecht bietet. Besonders das Gefälle nach vorne Richtung Road Bunker ist tückisch.

Der Japaner Tommy Nakijima schaffte es 1978 während der Open, in der Spitzengruppe liegend, einen Putt (!) über diesen Abhang im Bunker zu platzieren. Die Folge, vier Bunkerschläge später: eine Neun, die ihn die gute Position kostete. Seither wird das Hindernis mitunter auch als "The sands of Nakijima" bezeichnet. Auch David Duval landete 2000 hier im Bunker, Kontrahent Tiger Woods konnte davonziehen und gewann daraufhin seine erste Open.

Platz 1 - TPC Sawgrass, Loch 17 - Island Green

Es beginnt mit einer Fehlplanung – und einer Fehlbezeichnung. Als das Architekten-Paar Pete und Alice Dye Ende der Siebziger Jahre die Pläne für den TPC Sawgrass in der Heimat der PGA vorlegen, beeindruckt vor allem der Stadium Course mit seinem Konzept, wie in anderen Sportarten, die Zuschauer auf einer Art Tribüne direkt einzubeziehen. Auf Grashügeln sollen sie sitzen und die Löcher 16 bis 18 wie in einem Stadion überblicken können. Die 17. Bahn, ein Par 3, soll teilweise von einem See umgeben sein. Dann fehlt jedoch der trockene Sand, den man beim Ausheben des großen Teichs findet, an vielen anderen feuchten Baustellen des Kurses. Das Loch, wo später einmal die 17. Bahn beheimatet sein sollte, wird immer größer - das Wasser gewinnt an Bedeutung und Fläche. Aus teilweise am Wasser wird überwiegend, aus überwiegend: fast ausschließlich. Als Alice Dye den Vorschlag macht, das Grün nahezu vollständig in den See einzubetten, findet sie Gehör. Das berühmte „Island Green“ ist geboren. Auch wenn es faktisch nur eine Halbinsel ist.

Historikern und Fans ist das egal. Als die Tournament Players Championship, der Vorgänger der heutigen Players Championship, 1982 dort erstmals - und ab da bis heute – zu Gast ist, beginnen Mythos und Ruhm der 17. Bahn ihren Weg durch die Golfwelt, getragen von Geschichten, die sich dort Jahr für Jahr ereignen. Welche von zehn Kameras um das gerade einmal 121 Meter lange Loch überall hin gesendet werden.

1998 spielte Steve Lowery seinen Ball auf dem gerade 121 Meter langen Loch sauber aufs Grün. Auf dem Weg vom Abschlag zur Halbinsel wurden er und Tausende Zuschauer Zeugen, wie eine Möwe sich dem Ball näherte, ihn mehrmals versuchte, im Schnabel vom Grün zu transportieren und schließlich die teure Fracht ins Wasser plumpsen ließ. Für den Amerikaner ging es jedoch mit neuem Ball und ohne Strafschlag auf dem Grün weiter.

Im Juni 1985 benötigte der Lebensmittelhändler Angela Spagnolo aus Pittsburgh bei "America's Worst Avid Golfer", ausgetragen von Golf Digest, 66 (!) Schläge. 27 Bälle versenkte er im Wasser bevor er sich mit dem Putter bewaffnet auf die lange Reise rund um den See Richtung Grün machte.

Fred Couples schaffte es als einziger in der Geschichte der Players Championship nach einem Wasserschlag mit einem Hole-in-One an der 17 ein Par zu spielen. Das Eisen 9 brachte ihm das Glück. Insgesamt gab es sechs Asse zu bestaunen. Das letzte gelang Miguel Ángel Jiménez 2002. Der Meister des 17. Lochs ist Tom Lehman mit 54 Versuchen ohne Wasserkontakt. Sein Durchschnittscore: unglaubliche 2,76 Schläge.

Bei der Players Championship 2007 landeten 93 Bälle im Wasser – Rekord. Kein Wunder, dass sich selbst die abgebrühtesten Golfer schon an Loch 16 erste Gedanken über das "Island Green“ machen. "Wenn Du nicht aufpasst, fängst Du vielleicht schon einen Monat vorher an, Dir darüber den Kopf zu zerbrechen“, hat Ernie Els einmal zugegeben. Und Phil Mickelson ergänzt: "Du versuchst, das Loch bis zu letzten Minute auszublenden.“ Vielleicht wäre alles anders, wenn Tiger Woods Ende der Siebziger schon etwas zu sagen gehabt hätte: "Es wäre ein fantastisches achtes Loch“, meint die Nummer eins der Welt. "Aber nicht das 71. eines Turniers und die 17. einer Runde!“

Designer: Pete und Alice Dye

Sebastian Burow

Sebastian Burow
Chefredakteur Golf.de/Mygolf

Spielt seit mehr als 30 Jahren Golf und schreibt seit guten 20 Jahren über Golf.

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