Interview

"Es gibt immer diesen einen Moment"

Der deutsche Senkrechtstarter 2020 Thomas Rosenmüller im exklusiven Interview.

30. Dezember 2020

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Thomas Rosenmüller ist 2020 so richtig durchgestartet. Der 23-Jährige des Golfclub München Eichenried hat drei Turniersiege und die Order of Merit der Pro Golf Tour gewonnen und sich dadurch für 2021 mit der bestmöglichen Kategorie direkt für die Challenge Tour qualifiziert. Der unter die besten sechs deutschen Golfer vorgestoßene gebürtige Münchner spricht im exklusiven Interview mit myGOLF über sein bayerisches Vorbild, über seine Kämpfermentalität sowie über die Entstehung seiner Erfolgsserie in 2020 und blickt auf seine Zukunft voraus. /

Sie haben in Ihrer Jugend neben Golf auch ambitioniert Handball gespielt. Warum haben Sie mit 13 dann damit aufgehört und sich für Golf entschieden? 

Thomas Rosenmüller: Im Golf wird es nie langweilig. Jede Woche und jede Situation ist anders, selbst auf gleichen Golfplätzen. Bei anderen Sportarten wiederholen sich viele Dinge. Klar spielt man auch beim Golf immer seine 18 Loch. Aber bei uns ändert sich der Untergrund und das Layout der Plätze - es ändert sich jede Woche quasi alles und es bleibt nie gleich. Das macht diesen Sport so interessant. Vor allem auch als junger Sportler, weil man immer eine Herausforderung hat. 

Welche Rolle spielt die Heimat bei Ihren jüngsten Erfolgen 2020 auf der Pro Golf Tour? 

TR: I bin a bayerischer Bua. Heimat und Familie sind mir sehr wichtig und besitzen für mich höchste Priorität. Dazu gehören Werte wie Loyalität und auch das Heimatgefühl, das mir in Eichenried gegeben wird. Deswegen war es für mich auch nie ein Thema, den Club zu wechseln, Trotz anderer Angebote wollte ich Eichenried über die Jahre hinweg immer die Stange halten und dort trainieren. Das ist meine Heimat. Ich habe im Großraum München stets jemanden gefunden, der besser als ich war. Jemanden, an dem ich mich hochziehen konnte, um besser zu werden.  

Inwieweit waren Ihre Amateurjahre in Bayern lehrreich? 

TR: Im Amateurbereich habe ich eher zu den Spätzündern gehört. Da gab es damals in meinem Alter von zwölf Jahren andere Namen, die einst als die großen Golftalente gehandelt wurden. Zu meiner Zeit haben wir in Bayern drei Mal zusammen den Länderpokal gewonnen und hatten damals mit die besten Spieler in Deutschland. Es gab in meiner direkten Umgebung immer Leute, die besser waren. 

Quelle: Pro Golf Tour

Wer gehört denn zu den Idolen, an denen Sie sich orientiert haben? 

TR: Auf jeden Fall am acht Jahre älteren Stephan Jäger. Er war mehrfacher bayerischer Meister und hat dann am College einiges gewonnen, auf der Korn Ferry Tour gesiegt und schon einmal eine PGA Tourkarte besessen. Wenn er in der College-Pause im Sommer daheim in Eichenried war, konnte man sich bei ihm einiges abschauen.  

Ist es Zufall, dass Sie wie Jäger eine ähnliche Kämpfermentalität besitzen? 

TR: Auf jeden Fall kann man es so formulieren, dass Stephan den Sport mit Herzblut lebt. Das ist bei mir genauso. Diesbezüglich hat auch mein Trainer Kenn Williams einen großen Einfluss darauf, der diesen Sport zu jeder Tageszeit genauso lebt. In dieser Hinsicht ist Ken für mich wie ein zweiter Vater. Das war er auch schon zu Stephan Jäger und ist dies auch gegenüber allen anderen seiner Schützlinge so wie bei mir gewesen, die er aus der Jugend über Jahre hinweg hochgezogen hat. Wenn ein Trainer mit so viel Leidenschaft an die Sache herangeht, färbt das auf die Spieler ab. 

Ist diese kämpferische Einstellung der Schlüssel für Ihren Erfolg, den Sie 2020 hatten? 

TR: Auf jeden Fall. Es gibt ja quasi keinen Tag mehr, an dem ich nicht Golf spiele oder darüber spreche. Man lebt mit dem Golfsport. Es ist nicht einfach nur irgendwie ein Spiel. Sondern es ist eine Lebensart und es verlässt einen nie. Auch wenn es einmal nicht läuft, gibt es immer diesen einen Moment, der einen wieder zurückholt, um Spaß auf dem Golfplatz zu haben. Das ist einer derjenigen Gründe, warum ich von Golf nie genug bekomme. Wenn ich nicht golfe, dann fehlt mir irgendetwas im Leben. Es ist mehr als nur Sport und Beruf, sondern eben eine Lebensweise.

Quelle: Golfersworld

Wie kam 2020 Ihre persönliche Wende hin zu konstant guten Ergebnissen und Turniersiegen auf der Pro Golf Tour? 

TR: Ich war vor der Corona-Krise bereits gut drauf gewesen: Dann hat mir in der guten Phase die Pause ein wenig ein Strich durch die Rechnung gemacht. In der Corona-Pause habe ich von der Golfersworld in Eichenried viel Unterstützung bekommen. Ich konnte dank eines TrackMan zu Hause gut trainieren. Ich habe jeden Tag im eigenen Garten trainiert und zusammen mit Ken per Videoanalyse an meinem Schlag gearbeitet. Ich konnte nicht nur mein Golfspiel, sondern auch meine Fitness auf ein anderes Level anheben und konstanter werden. Beim Re-Start war ich dann voller Tatendrang und es musste am Training nichts mehr großartig verändert werden. Es hat sich schnell abgezeichnet, dass mein Golfspiel nun auf einem anderen Level ist. In diesem Fall hat mir die Pause gutgetan. 

Beim Turnier in Polen gab es aber gleich einen schnellen Rückschlag? 

TR: Ja, da musste ich wegen einer allergischen Reaktion ins Krankenhaus und dort mit Medikamenten behandelt werden. Aufgrund von Anti-Doping-Richtlinien konnte ich dann am Turnier nicht mehr teilnehmen. Die Woche drauf bin ich dann in St. Pölten mit einem Schlag am Cut gescheitert. Das waren die zwei dunklen Wochen im Sommer.  

... und im Anschluss nahm die Erfolgsserie dann endlich ihren Lauf ...  

TR: Danach habe ich zwei Mal in Folge gewonnen. In so einer Situation ist es einfach so, dass sich das eigene Golfspiel auf einem anderen Level befand. Ich hatte nicht nur eine gute Phase. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich, dass ich jede Woche oben mitspielen kann, egal in welchem Bereich. Natürlich kann man sich überall verbessern, aber es gab aus meiner Sicht keinen Teilbereich mehr, wo ich überdurchschnittlich viele Schläge verloren habe. Mir war klar: Wenn ich meine Leistung so bringe wie im Training, dann sind Siege für mich nur eine Frage der Zeit. 

Waren Sie mit Platz drei im Pro Golf Tour-Finale in diesem Zusammenhang zufrieden? 

TR: Dort waren schon einige Sachen dabei, die nicht ganz so gut waren wie die Wochen zuvor. Den Ball habe ich nicht so getroffen wie in den Wochen zuvor, in denen ich wesentlich mehr Kontrolle darüber hatte, mit welcher Flugkurve ich den Ball spiele. Das hat vor allem in der zweiten Runde des Finales deutlich mehr Birdie-Chancen verhindert. Es sind eher schlechte Schläge als verpasste Putts auf meiner Scorekarte gelandet. Im Vergleich zu den Turniersiegen war diese Leistung etwas schlechter, aber immer noch ein gutes Level, bei dem man unter Par spielen kann. 

 

 

Sie sind von der Pro Golf Tour prompt auf die Challenge Tour mit der besten Kategorie aufgestiegen. Wie lauten aktuell Ihre Pläne? 

TR: Kurzfristig muss man von Tag zu Tag zu sehen, welche Turniere stattfinden und in welche Wettbewerbe ich tatsächlich auch reinkomme. Bei den Italian Open hätte ich mich zum Beispiel zu kurzfristig dafür entscheiden müssen, dort zu spielen. Einen Tag vorher spontan sieben Stunden nach Italien zu fahren und dort dann ohne Proberunde aufzuschlagen, kam nicht infrage. Deswegen hatte ich mich auch dafür entschieden, lieber auf dem Pro Golf Tour Finale zu spielen. 

Wie beurteilen Sie die Lage auf der Tour während Corona-Zeiten? 

TR: Es gibt leider oft keine Klarheit, ob ich bei einem Turnier mitspielen kann oder eben nicht. Dies wird das Problem im nächsten Jahr sein, dass es hin und wieder diese Unsicherheit geben wird, ob man in ein Feld hineinkommt oder nicht. Auch trotz meiner guten Kategorie. Wegen kleinerer Felder aufgrund der Corona-Pandemie gibt es nun weniger Startplätze. Es herrscht zudem auch generell keine Planungssicherheit, ob im nächsten Jahr überhaupt etwas stattfindet. Alle Turnierpläne sind voraussichtliche Pläne, aber nicht fix. Es ist schwierig für uns Spieler nicht zu wissen, wann und wo wir überhaupt spielen können und wie wir planen können. 

Wie sehen Sie ihren Karriereweg mittel- und langfristig? 

TR: Mittelfristig möchte ich mich auf jeden Fall für die European Tour qualifizieren. Ob das über drei Siege, über die TOP 20 der Saison oder die Q-School ist, lasse ich offen. Es gibt genügend Wege, die nach oben führen. Ich möchte mich auf der European Tour etablieren und habe langfristig das Ziel, auf die PGA Tour zu kommen und mich in der Weltspitze zu etablieren. 

Das Gespräch führte Robert M. Frank 

Robert M. Frank

Robert M. Frank
Freier Redakteur

Nach abgeschlossenem Sportwissenschaft-Studium an der TU München ab 2008 als freier Autor/Reporter/Sportjournalist für Online-Portale, Tageszeitungen, Zeitschriften und Agenturen tätig. Der gebürtige Münchner, Jahrgang 1981, mit Trainerlizenzen im Fußball und Tennis stieß 2018 zum Golf.de-Redaktionsteam hinzu. Heimatclub: G&LC Gut Rieden in Starnberg.

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