Nicolai von Dellingshausen

Höhen und Tiefen eines Piloten

Nicolai von Dellingshausen erlebte in seiner Karriere ein Auf und Ab.

04. Mai 2021

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Im Alter von 21 Jahren hat Nicolai von Dellingshausen einst eine Pilotenausbildung bei der Lufthansa absolviert. Sieben Jahre nach dieser Ausbildung ist aus dem gebürtigen Düsseldorfer zwar kein Flugkapitän geworden. Aber im Golfsport hat der 28-jährige Rheinländer zuletzt durchaus zu einem Höhenflug angesetzt. Der Profigolfer des GC Hubbelrath hat jüngst mit seinem zweiten Platz bei der Tenerife Open sein bis dato bestes Ergebnis auf der European Tour erzielt. "Es ist extrem befreiend, motivierend und ich bin wirklich sehr stolz darauf, dass ich so geduldig geblieben bin", hatte der Rheinländer nach seinem Erfolg auf der Kanarischen Insel zu Protokoll gegeben. /

Es ist noch gar nicht so lange her, dass von Dellingshausen als eine Art neuer Überflieger im deutschen Golfsport gehandelt wurde. 2017 war das. Nach drei Erfolgen auf der Pro Golf Tour machte von Dellingshausen ab dem Sommer des gleichen Jahres frisch mit einer Challenge Tour-Karte ausgestattet ähnlich weiter, wie er auf der Pro Golf Tour aufgehört hatte: nämlich mit Top-Ergebnissen. Ein zweiter Platz folgte noch im gleichen Jahr bei der Bridgestone Challenge. Der Erfolgslauf des damaligen Senkrechtstarters setzte sich in den beiden anschließenden Turnieren in Irland und Kasachstan mit zwei weiteren Top-Zehn-Ergebnissen in Serie weiter fort. 2017 war auch das Jahr, als der mit einer Wildcard ausgestattete Düsseldorfer bei der BMW International Open im Leaderboard als geteilter 26. vor Martin Kaymer und Max Kieffer landete.

Sinkflug und Neustart

Danach erlebte der begeisterte Luftfahrt-Fan auch im Profigolf, wie ein Sinkflug aussehen kann. Nachdem von Dellingshausen 2018 ins Golf Team Germany aufgenommen wurde, waren die Top-Ergebnisse auf der Challenge Tour auf einmal deutlich rarer gesät. Bis Ende Juni 2019 verlor der gewitzte Rheinländer in der Golfweltrangliste mächtig an Höhe: Bis auf Position 865 rutschte von Dellingshausen ab.

Dass sich wie bei einem innerdeutschen Linienflug ein Auf und Ab stets schnell abwechselt, erlebte der sechsmalige deutsche Mannschaftsmeister des GC Hubbelrath in der Jugend und bei den Herren im Anschluss. Sein vierter Rang bei der Le Vaudreuil Golf Challenge in der Normandie war quasi die Starterlaubnis für den nächsten Höhenflug von Dellingshausens über die europäische Challenge Tour-Landschaft. Unerwartete Höhenverluste kamen nun auf der Reise des passionierten Fußballspielers kaum mehr vor und er verdiente sich für 2020 regelmäßige Starterlaubnisse noch eine Etage höher auf der European Tour.

Geduldig bis zum Erfolg

Wenngleich von Dellingshausen 2020 dort ein durchwachsenes Premieren-Jahr erlebte, erwiesen sich die Leistungen des gelebten Teamplayers stets als relativ konstant. Von Dellingshausen verlor nie die Kontolle über seine Flights und blieb geduldig. Diese Geduld gipfelte dann im Flug über den Wolken bei seinem zweiten Rang in Teneriffa. Und bescherte ihm Position 297 in der OWGR-Golfweltrangliste, was seine zweitbeste Platzierung seit seinem Karrierehoch vom September 2017 (OWGR 228) darstellt. 

Man darf hoffen, dass die aktuelle deutsche Nummer fünf so schnell nicht wieder auf dem Boden der Tatsachen landet - und nach seinem jüngsten Erfolg nun auch nicht zu schnell abhebt. Allerdings auch das wäre nach der Philosophie des Piloten nicht so tragisch. Von Dellingshausen müsste wissen, dass er irgendwann wieder von der Startbahn schnell wieder abheben kann. Glaubt man seiner Lebensphilosohie, könnte der nächste Höhenflug möglicherweise bald folgen. Es steht auf seiner Homepage prominent und im oberen Sichtfeld geschrieben: "Es ist nicht wichtig wo du herkommst, sondern wohin du willst."

Robert M. Frank

Robert M. Frank
Freier Redakteur

Nach abgeschlossenem Sportwissenschaft-Studium an der TU München ab 2008 als freier Autor/Reporter/Sportjournalist für Online-Portale, Tageszeitungen, Zeitschriften und Agenturen tätig. Der gebürtige Münchner, Jahrgang 1981, mit Trainerlizenzen im Fußball und Tennis stieß 2018 zum Golf.de-Redaktionsteam hinzu. Heimatclub: G&LC Gut Rieden in Starnberg.

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