Bryson DeChambeau

Existenzgrenzen im Golfsport

Bryson DeChambeau sieht die Schwelle bei Golfprofis zu einem wirtschaftlichen Gewinn ab den Top 165 der Money List der PGA Tour.

22. Oktober 2021

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Auf den ersten Blick sieht es oft nach sehr viel Geld aus, wenn man auf die eingespielten Preisgelder von Profisportlern sieht. Insbesondere an der Spitze, an welcher Ausnahmeathleten immer höhere Preisgelder einfahren. Über 130 Millionen US-Dollar an Preisgeld hat Tennisprofi Roger Federer aus der Schweiz zum Beispiel bei seinen phänomenalen Karriere mit 103 Turniersiegen eingefahren. Im Golfsport kommt US-Star Tiger Woods bei seinen 108 Titeln weltweit auf ähnliche Dimensionen. Alleine bei seinen 82 Titeln auf der PGA Tour hat der 15malige Major-Champion über 120 Miilionen US-Dollar an Preisgeld eingestrichen. Eine stolze Summe, wenn man bedenkt, dass solche Sportikonen von der Werbewirtschaft im Rahmen von Werbeverträgen gelegentlich noch mehr Einnahmen generieren. /

Etwas weiter unterhalb der Kategorie von Woods, Federer und Konsorten sieht die Welt in vielen Sportarten für Profis allerdings schon nicht mehr ganz so rosig aus. Das Preisgeld relativiert sich dann auch, wenn man alle Faktoren des Berufs mit einbezieht. Erst ab einem gewissen Erfolg und Status rechnet sich der Beruf, der bei den beiden genannten Sportarten enorme Betriebsausgaben für Reisen, Unterkünfte, Trainer und sonstiges Personal verursachen kann. Sechsstellige Ausgaben pro Jahr kommen da schnell zustande. Dementsprechend herunterbrechen muss man die Einkommen der Profisportler insbesondere bei längeren Karrieren.

Erst 500.000 US-Dollar Jahresverdienst ausreichend?

Während zum Beispiel im Tennis die Top 100 der Weltrangliste als diejenige Schwelle gilt, ab der sich die Ausübung dieser Sportart als Profi lohnt, steht für Bryson DeChambeau im Golfsport ein anderer Wert. Der 28-jährige US-Amerikaner und amtierende US Open-Champion will diese Grenze bei der Nummer 165 der offiziellen Money List der PGA Tour erkannt haben. Außerhalb dieses Rankings kommt es laut dem gebürtigen Kalifornier aus betriebswirtschaftlicher Sicht hingegen eher zu einem Minusgeschäft

Um die Aussage in einen Kontext zu stellen: Der 166. Spieler auf der PGA Tour-Geldliste 2020 erzielte Einnahmen in Höhe von 486.337 US-Dollar. Nach DeChambeaus Rechnung würde also erst ein Jahresverdienst von einer knappen halben Million US-Dollar für einen Golfprofi dazu ausreichen, um die Schwelle zu einem wirtschaftlichen Gewinn zu überschreiten.

Im US-amerikanischen Podcast "Full Send Podcast" äußerte sich der achtmalige PGA-Tour-Titelträger, der bis dato in seiner fünfjährigen Karriere auf der PGA Tour seit 2016 über 26 Millionen US-Dollar an Preisgeld eingespielt hat, zuletzt zur Fragestellung der Existenzgrenze für Profigolfer entsprechend. "Wir sind selbständige Unternehmer, müssen für alle unsere Ausgaben selbst aufkommen und jedes Hotel selbst bezahlen, Du bist für alles selbst zuständig. Viele Spieler haben auf der einen Seite eine Familie zu ernähren und auf der anderen Seite fehlen ihnen die Cuts", sagte DeChambeu im Podcast.

Steiniger Weg ohne Cuts

DeChambeau fügte hinzu, dass Spieler in den Top-125 der Geldliste "ein großartiges Leben" hätten, aber dass er sich "so schlecht" für die Sportler ab 165 und denjenigen auf der zweitklassigen Korn Ferry Tour fühle. Mit Blick auf die Anfänge seiner Karriere gab DeChambeau zu, dass es ihn "deprimiert" hatte, als er damals seine ersten 14 Cuts auf der Tour verpasste hatte. In der glücklichen Lage, geduldige Sponsoren zu besitzen, habe er diesen zermürbende Prozess für Spieler einst überstanden und den steinigen Weg unter die Top-Golfer erfolgreich gemeistert. Für DeChambeau sei es eine schlimme Vorstellung, wenn er an Kollegen denke, die Woche für Woche in den Teufelskreis von verpassten Cuts geraten. 

"Wenn du bei einem Pensum von drei Wochen hintereinander alle drei Cuts verpasst, und hast zuvor Montag, Dienstag, und Mittwoch alles gegeben, nimmst du das ins freie Wochenende mit. Und Du trainierst dann immer noch Samstag und Sonntag hart, weil du für die nächste Woche gut spielen möchtest. Und dann kannst Du dein Spiel ohne Runde immer noch nicht finden. Dabei geht es geht dir immer noch nicht gut. Du weißt: Es gibt so viele Spieler, die viel besser sind als du. Es fehlen dir einfach die Cuts."

Robert M. Frank

Robert M. Frank
Freier Redakteur

Nach abgeschlossenem Sportwissenschaft-Studium an der TU München ab 2008 als freier Autor/Reporter/Sportjournalist für Online-Portale, Tageszeitungen, Zeitschriften und Agenturen tätig. Der gebürtige Münchner, Jahrgang 1981, stieß 2018 zum Redaktionsteam hinzu. Golferische Heimat: Gut Rieden in Starnberg

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