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Tour-Rückblick

Langer, Scheffler, Woods: Das war das 86. Masters

Bernhard Langer bleibt glücklos, Scottie Scheffler gewinnt sein erstes Major und Tiger Woods bekommt Standing Ovations. Der Rückblick aufs Masters-Wochenende.

11. April 2022

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Eine der schönsten Golfwochen des Jahres liegt hinter uns: Das Masters ging in seine 86. Runde und am Ende durfte sich der Weltranglistenerste über sein erstes grünes Jackett freuen. Doch Scottie Scheffler war nicht der einzige Spieler, der nach vier Tagen mit Jubelszenen aus dem Augusta National verabschiedet wurde. Auch Tiger Woods sorgte für stehende Ovationen. Bernhard Langer hatte dagegen dieses Mal nicht so viel zu feiern. Der Rückblick aufs Masters:

Masters


(Scottie Scheffler, Photo by Gregory Shamus/Getty Images)

Nach regnerischen, windigen und zum Teil bitterkalten Tagen in Georgia, schien der Wettergott am Finaltag endlich Erbarmen zu haben mit den Spielern und auch den vielen angereisten Patrons im Augusta National Golf Club. Bei frühlingshaften Temperaturen unter blauem Himmel war alles angerichtet für das Finale des 86. Masters. Es stellte sich die Frage, ob es ein souveräner Durchmarsch der Nummer eins der Welt werden würde oder ob sich doch noch jemand mit dem Mann messen kann, der innerhalb weniger Wochen drei PGA-Tour-Titel holte und aktuell das Nonplusultra im Herrengolf ist.

Scottie Scheffler ging mit drei Schlägen Vorsprung auf Cameron Smith in die Finalrunde und der australische Verfolger machte den Titelkampf gleich mal spannend. Smith, amtierender Payers-Champion, startete seine Runde mit Birdie-Birdie und hatte damit nur noch einen Zähler Rückstand auf den 25-Jährigen, der ab Runde zwei von der Spitze des Leaderboards grüßte. Das komfortable Polster war schnell dahin, doch wenn Scheffler in den vergangenen Wochen eines zeigte, dann dass er Nerven wie Drahtseile zu haben scheint. Auf der Drei pitchte der Texaner über einen kleinen Hügel und sein Ball rollte ins Loch zum Birdie. Am selben Loch kassierte Smith ein Bogey und plötzlich war das Momentum wieder beim Weltranglistenersten.

"Dass der Ball reinging, war natürlich der Hammer", sagte Scheffler über sein erstes Birdie des Tages. "Auch die Pars an 4 und 5 waren großartig. Danach ging es irgendwie nur noch bergauf. Ich fühlte mich mit so ziemlich allen Aspekten meines Spiels wohl. Mein Schwung fühlte sich vielleicht ein bisschen daneben an, aber ansonsten hatte ich das Gefühl, dass ich nie wirklich ein Bogey machen würde." Viele Fehler erlaubte sich der Mann der Stunde am Sonntag nicht. Ein Bogey auf der Zehn, ansonsten vier Birdies (3, 7, 14, 15) wanderten auf seine Scorekarte und so ging er mit einem komfortablen Vorsprung von fünf Schlägen auf die 18.

Dort realisierte dann auch Scheffler, dass er sein Fuß vom Gaspedal nehmen und endlich genießen kann. "Als ich endlich das Ende erreichte und fünf Schläge Vorsprung hatte, dachte ich: 'Okay, jetzt kann ich das genießen.' Und Sie haben das Ergebnis gesehen." Das Doppel-Bogey zum Abschluss änderte nichts am Endergebnis: Scheffler gewann nach einer 71 (-1) am Finaltag die 86. Ausgabe des Masters mit einem Gesamtergebnis von zehn unter Par und festigte damit seinen Platz an der Spitze der Weltrangliste. Und einen Beweis, dass er dieser Tage dann doch nur ein Mensch ist, gab er selbst, als er von seinem Morgen vor der Finalrunde erzählte: "Ich habe heute Morgen wie ein Baby geweint. Ich war so gestresst. Ich wusste nicht, was ich tun sollte." Von alldem war an diesem sonnigen Tag in Augusta nichts auf dem Platz zu sehen.

Runde des Turniers


(Rory McIlroy, Photo by Jamie Squire/Getty Images)

Während sich Smith mit einem Triple-Bogey auf der 13 endgültig aus dem Titelrennen verabschiedete, schob sich mit Rory McIlroy ein anderer Topstar in die Verfolgerrolle. Der viermalige Major-Champion nutzte die guten Bedingungen in Augusta und feuerte ein regelrechtes Birdie-Feuerwerk ab. McIlroys Finalrunde war von Highlights gespickt. Auf der Sieben lochte er sein Putt vom Vorgrün, auf der Zehn versenkte er einen Chip, auf der 13 notierte er ein Eagle und zum Abschluss der besten Runde der Turnierwoche (64, -8) fand auch noch sein Bunkerschlag auf der 18 das Loch.

"Ich dachte, wenn ich heute 63 schießen könnte, hätte ich eine Chance", sagte McIlroy, der mit zehn Schlägen Rückstand auf Scheffler in den Finaltag ging. "Das war sozusagen meine Nummer heute. Ich habe es nicht ganz geschafft, aber ich war nah dran." Auch eine 63 hätte letztlich nichts an seiner Endplatzierung geändert. Mit -7 wurde er alleiniger Zweiter und damit feierte er das bislang beste Masters-Ergebnis seiner Karriere. Seit 2014 ist dies das einzige Major, das ihm in seiner Major-Sammlung noch fehlt. Nach dieser Finalrunde dürfte die Vorfreude auf die nächste Ausgabe um ein Vielfaches gestiegen sein.

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McIlroys irischer Kumpel Shane Lowry beendete das Masters ebenfalls auf einer positiven Note. Der Open-Champion aus 2019 notierte auf seinen letzten sechs Löchern drei Birdies und kam somit als geteilter Dritter bei -5 ins Ziel. Bis dato war Lowrys bestes Ergebnis beim Masters ein geteilter 21. Rang (2021). Auch er wird damit voraussichtlich als einer der Favoriten in die 2023er-Ausgabe gehen. Mit Lowry teilte sich Smith Platz drei. Dass der sich in Augusta wohlfühlt, zeigte er bereits 2020, als er Zweiter wurde und als erster Spieler in der Masters-Geschichte vier Runden in den Sechzigern spielte. Fünfter wurde Collin Morikawa (-4) dank einer starken 67 (-5) zum Abschluss.

Tiger Woods


(Tiger Woods, Photo by David Cannon/Getty Images)

Einen mindestens genauso lauten Applaus wie Sieger Scheffler bekam Tiger Woods, als er in Richtung 18. Grün spazierte. Und dies lag weniger daran, weil er zwei 78er-Runden am Wochenende - seine höchsten Runden in Augusta jemals - spielte. Doch Woods war endlich zurück. 14 Monate nach seinem schweren Autounfall schaffte er bei seinem Comeback den Cut und hielt, wenn auch sichtlich beeinträchtigt, bis zum Schluss durch. "Es war ein harter Weg, und ich bin sehr dankbar, dass ich diese Chance bekommen habe und mich durchkämpfen konnte", sagte der 46-Jährige. "Es hätten viele verschiedene Dinge passieren können. Aber 14 Monate [nach dem Unfall, Anm. d. Redaktion] war ich in der Lage, auf den Abschlag zu gehen und beim Masters zu spielen."

Woods feierte am Donnerstag ein imposantes Comeback auf die große Bühne. Mit einer 71 (-1) rangierte er unter den Top Ten. Es folgten drei Runden über Par, ein Samstag mit "1.000 Putts", wie er selbst sagte - in Wahrheit waren es 36 - und ein Finaltag, an dessen Ende hunderte von Patrons sich von ihren Stühlen rund ums 18. Grün erhoben und dem Comeback-König stehende Ovationen gaben. "Dieses Turnier hat mir und meiner Familie so viel bedeutet", so Woods über das Masters. "Und es gibt keinen anderen Ort wie diesen. Hier haben alle großen Champions gespielt. Sie sind über dieses Gelände gelaufen." Und auch wenn der fünfmalige Masters-Champion am Ende "nur" 47. bei +13 wurde, feierte er in dieser Woche einen der größten Erfolge seiner Karriere - nämlich die Rückkehr auf den Platz nach der schwierigsten Phase seines Lebens.

Bernhard Langer


(Bernhard Langer, Photo by Gregory Shamus/Getty Images)

Als ältester Spieler im Feld ging Bernhard Langer in sein 39. Masters. Das Ziel des 64-Jährigen lautete: Wochenende erreichen und damit seinen eigenen Altersrekord aus 2020 brechen. Relativ früh war klar, dass in diesem Jahr kein neuer Eintrag in die Masters-Rekordbücher hinzukommen würde. Am Donnerstag kam Langer trotz 100 Prozent getroffener Fairways im hügeligen Augusta National nur auf eine 76 (+4). Vor allem sein kurzes Spiel ließ dem zweimaligen Master-Sieger in diesem Jahr im Stich. Dies setzte sich auch am zweiten Tag fort, als er sich erneut präzise vom Tee (13 von 14 Fairways) präsentierte, jedoch kaum längere Putts lochte.

"Mein kurzes Spiel war einfach nicht gut", bilanzierte Langer nach einer zweiten 76 (+4) in Folge. "Außerdem habe ich schlecht geputtet. Der längste Putt, den ich gelocht habe, war aus vier Metern." Im Anbetracht des enormen Längendefizits ist der Deutsche natürlich auf etwas Kurzspiel-Magie rund um und vor allem auf den ondulierten Grüns angewiesen. Letztlich war aber nicht das lange Spiel das Problem, auch wenn er an manchen Löchern kaum eine Chance hatte, das Grün regulär zu erreichen. Trotz verpasstem Cut hielt sich Langers Enttäuschung in Grenzen. "Wenn ich den Cut geschafft hätte, wäre das ein Wahnsinnserfolg gewesen", so der Mann, der den Rest der Saison wieder auf der PGA Tour Champions abschlagen und um seinen siebten Charles Schwab Cup kämpfen wird. Dort lautet das Ziel dann wieder "Titel gewinnen".

Spieths Trauma und Cinks Hole-in-One


(Jordan Spieth, Photo by Andrew Redington/Getty Images)

An demselben Loch, an dem Smith seine Titelchancen im Wasser versenkte, erlebte Jordan Spieth am Freitag die Fortsetzung seines ganz persönlichen Traumas. Schon 2016 machte Rae’s Creek vor dem Grün der Zwölf einen Strich durch die Rechnung des damaligen Titelverteidigers, als er in der Finalrunde zwei Bälle in dem Wasserhindernis des berühmten Par 3s versenkte. Danny Willett war damals der Nutznießer an einem Sonntagnachmittag, an dem es um einen der wichtigsten Titel im Golf ging.

In der vergangenen Woche war Spieth erneut auf einem guten Weg vorne mitzuspielen. Mit vier Schlägen Rückstand auf die Spitze stand der Masters-Champion aus 2015 am Freitag am zwölften Abschlag. Bei windigen Bedingungen im Augusta National schlug Spieth schon wieder zwei Mal in Rae’s Creek und so ging er mit einem Triple-Bogey vom Grün. Zwei weitere Fehler im weiteren Rundenverlauf sorgten dafür, dass der 28-Jährige zum ersten Mal in seiner Karriere den Cut verpasste. Die Zwölf und Spieth - die werden wohl keine Freunde mehr.


(Stewart Cink, Photo by Gregory Shamus/Getty Images)

Den Schlag des Turniers landete Stewart Cink in Runde zwei. Aus 152 Metern lochte er seinen Abschlag an der 16 zum Hole-in-One ein. Ohne Chance auf den Cut, ließ der US-Amerikaner sein Schlag mit dem Eisen 8 weit rechts von der vorne landen und durfte dann gemeinsam mit seinem Sohn, Caddie und Geburtstagskind Reagan dabei zu sehen, wie der Ball immer besser wurde und bald im Loch verschwand. Den Ball bekam Reagan dann als Geschenk überreicht. In der Geschichte des Masters war dies bereits das 24. Ass auf der 16. Erst im vergangenen Jahr gelang hier Tommy Fleetwood ein Hole-in-One.

Die Ergebnisse der Deutschen:

  • Ladies European Tour, Trust Golf Asian Mixed Cup: Karolin Lampert T22 und Sarina Schmidt, Sophie Witt & Leticia Ras-Anderica CUT
  • Major, Masters: Bernhard Langer CUT

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.



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