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Tour-Rückblick

Spieth siegt 'ohne Putter' und Regel zerstört Wunder-Par

Jordan Spieth hoppelt zum nächsten Oster-Sieg und eine selten angewandte Regel trübt die Freude über ein Wunder-Par. Der Rückblick aufs Wochenende.

18. April 2022

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Es ist nicht schlimm, wenn man hinfällt, aber es ist wichtig wieder aufzustehen. Dachte sich auch Jordan Spieth und antwortete auf eine enttäuschende Woche in Augusta mit seinem ersten Saisonsieg in South Carolina. Und das ausgerechnet an Ostern - schon wieder. Wiederum enttäuschend fiel die Regelentscheidung bezüglich eines ganz besonderen Schlags von Dylan Frittelli aus. Regeln sind jedoch bekanntlich Regeln. Der Rückblick:

RBC Heritage


(Jordan Spieth und Patrick Cantlay, Photo by Kevin C. Cox/Getty Images)

"Ich habe dieses Golfturnier ohne Putter gewonnen", sagte ein glücklicher Jordan Spieth, nachdem er gerade Patrick Cantlay im Stechen des RBC Heritage besiegte. Ein Par auf dem ersten Extra-Loch reichte aus, um sich seinen 13. Titel auf der PGA Tour und seinen ersten Sieg als Papa zu sichern. Seinem kürzesten Schläger hatte der 28-Jährige diesen Triumph aber nicht zu verdanken. Wie schon die ganze Saison über hatte Spieth auch bei dem mit acht Millionen US-Dollar dotierten Event auf Hilton Head Island, South Carolina, mit seinem Putter zu kämpfen. Der negative Höhepunkt war ein ausgelipptes Tap-In auf der 18 in Runde drei. "Ich wusste, dass mich das etwas kosten würde", so Spieth über den Flüchtigkeitsfehler.

Letzten Endes ging es aber doch gut und der Ryder-Cup-Spieler konnte seine schwache Leistung auf den Grüns allen voran durch spektakuläre Bunkerschläge kompensieren. Am Finaltag lochte Spieth unter anderem auf der Zwei (Par 5) seinen dritten Schlag aus dem Sand zum Eagle ein und startete damit seine Aufholjagd. Ein weiteres Eagle folgte auf der Fünf dank eines gelochten Putts aus immerhin gut sieben Metern. Nach verschobenen Putts aus weniger als zwei Metern an den Löchern Neun und Elf schienen Spieths Titelhoffnungen davonzufliegen, jedoch erlaubte sich auch die Konkurrenz jede Menge Fehler.

Harold Varner III, der Führende nach drei Runden, blieb seine gesamten Back Nine birdiefrei, Shane Lowry kassierte auf der 14 ein schmerzhaftes Doppel-Bogey und Erik van Rooyen brach mit vier Bogeys auf den letzten neun Löchern auf der Schlussgerade ein. Und auch Sepp Straka erlaubte sich zum Abschluss noch einen Fehler und notierte auf der 18 ein Bogey, mit dem er das Stechen um einen Schlag verpasste. Am Ende wurde es für den Österreicher der geteilte dritte Rang, mit dem er sich unter die Top 15 des FedExCup verbesserte.

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Spieth war also nicht der einzige Titelkandidat mit Wacklern in seinem Spiel und so stand er unter anderem dank eines Birdies auf der 18 mit seinem Landsmann Cantlay im Playoff, nachdem beide das RBC Heritage bei einem Gesamtergebnis von 13 unter Par beendeten. "Es gibt diese Wochen, in denen man das Gefühl hat, gut gespielt zu haben, aber nicht gut genug, um zu gewinnen, und ich hatte ehrlich gesagt das Gefühl, dass dies eine dieser Wochen war", so der dreimalige Major-Sieger, der auf dem ersten Extra-Loch einmal mehr ganz viel Gefühl aus dem Bunker bewies und im Gegensatz zu Cantlay das Par rettete.

Für Spieth war dieser Erfolg die ideale Antwort auf seinen allerersten verpassten Cut beim Masters in der vergangenen Woche. Nach seinem Erfolg bei der Texas Open im vergangenen Jahr war dies übrigens sein zweiter Sieg an Ostern hintereinander. Sollte diese Serie auch im kommenden Jahr anhalten, dann darf sich Spieth schon auf sein zweites Green Jacket freuen. Denn das Masters fällt 2023 auf die Osterfeiertage. "Das sind gute Vibes", so seine Reaktion auf diese Aussicht. Auch wenn Spieth mit dieser Puttleistung in Augusta nicht weit kommen wird.


(Dylan Frittelli, Photo by Kevin C. Cox/Getty Images)

Dass Golfer zu klettern beginnen, wenn sie ihren Ball aus der Krone eines Baumes spielen wollen, bekam man schon häufiger zusehen. Die bekanntesten Beispiele dürften hier Bernhard Langer bei der Benson & Hedges International Open 1981 oder Sergio Garcia beim Arnold Palmer Invitational 2013 sein. Eine weitere denkwürdige Begegnung mit einem Baum machte Dylan Frittelli in der Finalrunde des RBC Heritage. Auf der sechsten Bahn des Harbour Town Golf Links haute der Südafrikaner seinen Abschlag nach links raus. Dabei wurde sein Ball von einem herabhängenden Ast aufgehalten und auf kuriose Weise eingewickelt.

Letztlich hing Frittellis Ball also knapp über Augenhöhe. Zeit für ein kleines Experiment, dachte sich der 31-Jährige, holte seinen Putter heraus und setzte zum vielleicht außergewöhnlichsten Schlag seiner Karriere an. Hinterm Ball stehend, offen in Richtung Spiellinie ausgerichtet, befreite sich Frittelli fast schon magisch aus dieser Situation und konnte seinen dritten Schlag vom Fairway spielen. Aus 132 Metern legte er seinen Ball drei Meter an die Fahne und kam letztlich mit einem Par davon - dachte er zumindest. Denn kurz darauf bekam Frittelli zwei Strafschläge wegen eines Regelvergehens aufgebrummt.

Bei seiner Rettungsaktion aus dem Ast hatte Frittelli nämlich gegen die Regel 10.1c verstoßen. Hier heißt es: "Ein Spieler darf beim Schlag nicht absichtlich mit den Füßen auf beiden Seiten der Spiellinie oder absichtlich mit einem Fuß auf der Spiellinie oder der Verlängerung dieser Linie hinter dem Ball stehen." Das Video zeigt, wie Frittelli schulterbreit hinter dem Ball steht und diesen nach vorne schubst. Hierbei befindet er sich mit den Füßen sowohl links als auch rechts von der (verlängerten) Spiellinie. Ein bitterer Regelverstoß, der aus dem "großartigsten Par" seiner Karriere ein kurioses Doppel-Bogey werden ließ.

LPGA Tour


(Hyo Joo Kim und Hinako Shibuno, Photo by Sean M. Haffey/Getty Images)

Eins hatte Hinako Shibuno in der vergangenen Woche mit Jordan Spieth gemeinsam. Auch die Japanerin war nicht zufrieden mit ihrem Putter und spielte trotzdem um den Sieg mit. Bei der Japanerin reichte es jedoch nicht ganz zum Titelgewinn bei der Lotte Championship, da mit Hyo Joo Kim eine Spielerin noch besser war als die Open-Siegerin aus 2019. Am Ende hatte Kim (-11) zwei Schläge Vorsprung auf Shibuno (-9), nachdem sie die 18 mit einem starken Birdie abschloss. "Ich bin stolz auf den Schlag", so die Südkoreanerin über den hervorragenden Pitch auf dem abschließenden Par 5, der die letzten Zweifel an ihrem fünften Sieg auf der LPGA Tour ausräumte.

Aber auch Shibuno, die an einem bewölkten und zugleich windigen Tag auf der Hawaii-Insel Oahu bogeyfrei blieb, konnte nach den 72 Löchern im Hoakalei Country Club grinsen. "Es hat sehr viel Spaß gemacht mit Kim zu spielen", so der stets lachende Rookie, der nicht umsonst "Smiling Cinderella" genannt wird. Wären da nur nicht die Probleme beim Putten gewesen. "Das machte den Unterschied." Shibuno verbesserte sich dank des zweiten Rangs auf den 15. Platz im Saisonranking. Für Kim war der Sieg gleichbedeutend mit einem Sprung auf den siebten Rang in der Gesamtwertung.

Mit einem positiven Gefühl reiste auch Esther Henseleit aus Hawaii ab. Die 23-Jährige, die seit 2020 auf der LPGA Tour unterwegs ist, schloss die Lotte Championship als beste Deutsche auf dem geteilten 26. Rang ab. Auf Instagram sprach sie von einer "tollen Woche auf Hawaii", in der sie mit dem starken Wind kämpfte. Doch dies tat Henseleit mit Bravour und so freute sie sich über ihr zweitbestes Saisonergebnis auf der LPGA Tour.

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Ladies European Tour


(Maja Stark (l.) und Sihwan Kim (r.), Picture by Paul Lakatos/Asian Tour)

Auch das zweite Mixed-Event im Siam Country Club in Folge ging an ein Mitglied der Asian Tour. Die co-sanktionierte Trust Golf Asian Mixed Stableford Challenge war ein mit 750.000 US-Dollar dotiertes Turnier in Thailand, bei dem, wie schon in der Vorwoche, Frauen und Männer um denselben Titel spielten. Am Ende hatte der US-Amerikaner Sihwan Kim knapp die Nase vorn. Mit insgesamt 49 Punkten - das Event wurde in einem modifizierten Stableford-Modus ausgetragen - gewann der Asian-Tour-Spieler hauchdünn mit zwei Punkten (ergo einem Birdie) Vorsprung auf die Schwedin Maja Stark.

Auf der 18 machte es Kim nochmal spannend, als er seinen Ball ins Aus haute und einen Zweiten vom Abschlag spielen musste. Doch aufgrund des Modus konnte er maximal drei Minuspunkte kassieren und bei einem Sieben-Punkte-Polster auf Stark, hätte diese ein Eagle gebraucht, um ihren Kontrahenten zu überholen. Aufgrund der unverhofften Titelchance schoss der zweimaligen LET-Siegerin jedoch etwas zu viel Adrenalin durch den Körper und so reichte es nur zum Birdie. Kim durfte endlich durchatmen und sich über seinen zweiten Profisieg freuen. Stark verbesserte sich dank des zweiten Platzes auf den dritten Rang im Saisonranking, hinter Lee-Anne Pace und Linn Grant.

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Die Ergebnisse der Deutschen:

  • Ladies European Tour, Trust Golf Asian Stableford Challenge: Leonie Harm T46, Karolin Lampert T58 und Sophie Witt & Leticia Ras-Anderica CUT
  • PGA Tour, RBC Heritage: Stephan Jäger CUT
  • Korn Ferry Tour, Veritex Bank Championship: Thomas Rosenmüller T46 und Jeremy Paul CUT
  • LPGA Tour, Lotte Championship: Esther Henseleit T26, Isi Gabsa T67 und Olivia Cowan, Sandra Gal & Sophia Popov CUT

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.



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