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Tour-Vorschau

Ein neuer Long-Drive-Sheriff ist in der Stadt

Vorschau auf das Tour-Geschehen mit Longhitter Brandon Matthews auf der PGA Tour und einem Traditionsevent auf der DP World Tour.

04. Mai 2022

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Spätestens seit Bryson DeChambeaus Boss-Transformation sind lange Drives wieder en vogue. Abschläge, die über 300 Meter fliegen und dann auch noch im besten Fall auf dem Fairway landen begeistern Amateurgolfer und Fans. Und so dürfen wir uns in dieser Woche auf Brandon Matthews freuen. Denn dieser Mann startet auf der PGA Tour und gilt als der längste Profi auf diesem Niveau. Die Vorschau:

PGA Tour


(Brandon Matthews, Photo by Mike Mulholland/Getty Images)

Seit zwei Jahren dominiert Bryson DeChambeau die "Driving Distance"-Statistik auf der PGA Tour. 2021 kam der US-Open-Sieger auf eine durchschnittliche Länge von 296 Meter vom Tee. Auch aufgrund seiner Teilnahme an Long Drive Championships steht der derzeit verletzte Kalifornier als der Prototyp für einen Longhitter im Profigolf. Doch diesen Status könnte ihm bald ein neuer Long-Drive-Sheriff streitig machen. Bei der Wells Fargo Championship startet in dieser Woche nämlich ein Spieler, der über DeChambeaus Länge nur müde lächeln kann. Brandon Matthews, Sieger der Astara Championship auf der Korn Ferry Tour, erhielt seine zweite Einladung zu einem PGA-Tour-Event und setzt mit seinen Längen neue Maßstäbe auf der Tour.

Im Vorfeld der Wells Fargo Championship auf seine "Stock Yardages" angesprochen, kamen beeindruckende Zahlen ans Tageslicht. So haut Matthews sein Pitching Wedge in der Regel 140 Meter und sein Eisen 4 fliegt entspannte 225 Meter weit. 2019 erreichten seine Drives auf der Korn Ferry Tour eine Durchschnittslänge von 303 Metern. Da kann selbst DeChambeau nicht mithalten. Wer die aktuellen Statistiken der Korn Ferry Tour studiert, dem wird auffallen, dass Matthews Zahlen aber gar nicht mehr so beeindruckend sind. Dies liegt jedoch daran, dass der 27-Jährige teils gar nicht zu seinem Driver greifen kann, da die Bälle sonst zu weit fliegen.

"Bei zwei der letzten drei Turniere habe ich den Driver aus dem Bag genommen, und das ist einfach so schmerzhaft", sagte Matthews vor seinem zweiten PGA-Tour-Start. "Ich habe meinen Driver in den letzten Jahren immer so gut getroffen. Wir haben uns in den letzten Wochen aber die Golfplätze angeschaut und es passte einfach nirgends. Es gab kein Loch, auf dem wir den Driver schlagen konnten." In anderen Worten: Matthews haut seinen Ball einfach zu weit und muss aus taktischen Gründen zurückstecken. Für die Wells Fargo Championship ist der Driver aber zurück im Bag. Und somit dürfen wir uns auf eine kleine Kostprobe des Bryson DeChambeaus 2.0 freuen.

Eine noch etwas harmonischere Mischung aus Länge und Präzision besitzt der Titelverteidiger der Wells Fargo Championship, Rory McIlroy. Der Nordire konnte das Event, das erstmals 2003 stattfand, bereits drei Mal gewinnen. Da man in dieser Woche jedoch nicht wie gewöhnlich im Quail Hollow Club in Charlotte, sondern im TPC Potomac in Maryland zu Gast ist, fällt der Faktor der Platzkenntnis unter den Tisch.

Trotzdem ist McIlroy allein schon aufgrund seiner Weltranglistenposition einer der Top-Favoriten auf dem Par-70-Kurs, der zuletzt 2018 ein PGA-Tour-Event beheimatete (Quicken Loans National). Als Nummer sieben der Welt ist er der am höchsten gesetzte Spieler im Feld. Zudem will sich McIlroy mit Sicherheit selbst ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk machen. Am Mittwoch (4. Mai) feiert der viermalige Major-Sieger seinen 33. Geburtstag.

Weitere erwähnenswerte Teilnehmer sind Francesco Molinari, der das Quicken Loans National 2018 gewann, sowie Tony Finau, der in der vergangenen Woche Zweiter wurde und damit wieder unter den Top 20 des OWGR rangiert. Außerdem ist Rickie Fowler am Start, der in diesem Jahr noch auf eine Top-40-Platzierung wartet. Die deutschen Farben vertritt Stephan Jäger, der in der vergangenen Woche mit einem geteilten 15. Rang überzeugte.

Ladies European Tour


(Maja Stark, Credit: Tristan Jones/LET)

Die Ladies European Tour kehrt nach neun Jahren nach Madrid zurück, um die erste Ausgabe der Comunidad de Madrid Ladies Open auszuspielen. Das Event ist das erste LET-Turnier des Jahres auf europäischem Boden und schüttet ein Gesamtpreisgeld in Höhe von 300.000 Euro aus. Der Austragungsort ist der Jarama-RACE Golf Club in San Sebastian de los Reyes nordöstlich vom Madrider Stadtzentrum. Das letzte Mal als die LET in Spaniens Hauptstadt zu Gast war, gewann die Südafrikanerin Lee-Anne Pace die Open de Espana im Club de Campo Villa de Madrid. Wer bei der Rückkehr live dabei sein will, kann sich sein Ticket ganz bequem zuhause ausdrucken. Eintritt wird in dieser Woche keiner verlangt. Entsprechend hohe Zuschauerzahlen werden für die vier Turniertage erwartet.

Für die Spielerinnen ist diese Maßnahme natürlich nur von Vorteil. Wer spielt nicht gerne vor tausenden von Fans? Auch bei den neun deutschen Teilnehmerinnen dürfte also die Vorfreude groß sein auf die Premiere der Madrid Ladies Open. Die besten Chancen vorne mitzuspielen, können Karolin Lampert eingeräumt werden. Die 27-Jährige erreichte bei vier von fünf Turnieren in dieser Saison den Cut und führt die deutsche Gruppe als 30. der Saisonwertung an. Aus internationaler Sicht sind die Augen auf Maja Stark gerichtet, die in der vergangenen Woche ihren dritten Titel holte und im Gesamtranking von der Spitze grüßt.

DP World Tour


(Danny Willett, Photo by Andrew Redington/Getty Images)

Nach zwei Turnieren in Spanien reist die DP World Tour das erste Mal in dieser Saison auf die britischen Inseln. Hier findet mit dem British Masters im The Belfry ein traditionsreiches Event in einem noch traditionsreicheren Golfclub statt. Vier Mal wurde in dem bei Sutton Coldfield gelegenen Golfresort bereits der Ryder Cup ausgetragen - zuletzt 2002. Das erste DP-World-Tour-Event ging 1979 im The Belfry über die Bühne. Der damalige Sieger war ein gewisser Seve Ballesteros. Die Erstaustragung des British Masters geht sogar noch einige Jahre weiter zurück. 1972 wurde dieses Turnier ins Leben gerufen.

Inzwischen schlüpft jedes Jahr ein anderer Tour-Pro in die Rolle des Turniergastgebers. Entsprechend variiert auch der Austragungsort des British Masters. Im Vergleich zum Vorjahr ändert sich dieses Mal jedoch nichts am Host. Erneut ist Danny Willett der Hausherr und daher findet auch das Event zum zweiten Mal in Folge auf dem Brabazon Course im The Belfry statt.

Im vergangenen Jahr konnte hier Richard Bland seinen ersten Titel auf der DP World Tour feiern, als er der Serie von 477 sieglosen Starts in Folge endlich ein Ende setzte. Der Engländer behielt im Stechen die Oberhand gegenüber dem Italiener Guido Migliozzi und sorgte damit für einen der emotionalsten Golfmomente der vergangenen Saison.

In dieser Woche geht der 49-jährige Bland als einer der Top-Favoriten in das British Masters. Zum einen spricht der jüngste Erfolg für ihn und zum anderen ist mit Adri Arnaus nur ein Spieler im Feld noch besser im OWGR platziert als der Altmeister. Der Spanier wiederum dürfte noch immer auf Wolke sieben schweben, nachdem er in der vergangenen Woche auf heimischem Boden seinen ersten Titel auf der Tour holte. Zudem hat Rasmus Hojgaard gute Erinnerungen an The Belfry. 2020 gewann er hier die ISPS Handa UK Championship. Der größte Name in dieser Woche ist Lokalmatador Lee Westwood. Aus Deutschland sind insgesamt sieben Profis am Start.

PGA Tour Champions


(Alex Cejka, Photo by Logan Riely/Getty Images)

Die Mitsubishi Electric Classic im TPC Sugarloaf ist das letzte reguläre Event vor den ersten beiden Majors des Jahres. Der Platz ist an diese Rolle gewohnt. Bereits als man die AT&T Classic auf der PGA Tour austrug, fungierte man als letzte Generalprobe vor einem wichtigen Turnier. Damals war es noch das Masters. Bei den Champions wirft die Regions Tradition ihre Schatten voraus. Alex Cejka wird ein besonderes Augenmerk auf das erste Major des Jahres gelegt haben. Immerhin feierte er hier seinen ersten Titelgewinn auf der PGA Tour Champions, nur um kurz darauf beim zweiten Major des Jahres seinen zweiten Sieg nachzulegen.

Wir befinden uns also, wenn man so will, in den Cejka-Wochen und umso erfreulicher ist es, dass der 51-Jährige in der vergangenen Woche mit einem vierten Rang überzeugte. Der Deutsche, aktuell die Nummer zehn im Charles Schwab Cup, wird also mit einer ordentlichen Portion Selbstvertrauen sowie Vorfreude in die Mitsubishi Electric Classic gehen. Immerhin soll hier der letzte Feinschliff für die beiden anstehenden Highlights geholt werden.

Gleiches gilt natürlich auch für den Rest des Feldes. So auch für Bernhard Langer, der die Mitsubishi Electric Classic bereits einmal gewinnen konnte und zudem hier vier Mal Zweiter wurde. Kaum einer beherrscht den TPC Sugarloaf in Georgia also besser als der 64-Jährige. Während der Führende im Charles Schwab Cup, Steven Alker, eine Pause einlegt, sind die Nummer zwei und drei der Gesamtwertung, Miguel Angel Jiménez und Retief Goosen, am Start.

Die Deutschen im Einsatz:

  • PGA Tour, Wells Fargo Championship: Stephan Jäger
  • Ladies European Tour, Comunidad de Madrid Ladies Open: Karolin Lampert, Leonie Harm, Sophie Witt, Leticia Ras-Anderica. Helen Tamy Kreuzer, Luisa Dittrich, Sarina Schmidt, Franziska Friedrich und Carolin Kauffmann
  • DP World Tour, British Masters: Sebastian HeiseleMarcel Schneider, Nicolai von Dellingshausen, Matti Schmid, Marcel Siem, Yannik Paul und Hurly Long
  • PGA Tour Champions, Mitsubishi Electric Classic: Alex Cejka und Bernhard Langer
  • Korn Ferry Tour, Simmons Bank Open: Jeremy Paul, Lukas Euler und Thomas Rosenmüller
  • PGA Tour Latinoamérica, Quito Open: Velten Meyer
  • Legends Tour, Riegler & Partner Legends: Thomas Gögele

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

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