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Tour-Rückblick

Grandiose Grant und McIlroy stichelt gegen Norman

Linn Grant schreibt beim Scandinavian Mixed Geschichte und Rory McIlroy gewinnt in Kanada für sich sowie für die PGA Tour. Der Rückblick aufs Wochenende.

13. Juni 2022

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Eine aufregende Tour-Woche liegt hinter uns. In London fand das erste LIV-Event statt, welches die Schlagzeilen weitestgehend dominierte. Doch viel schönere Geschichten wurden andernorts geschrieben. Wie zum Beispiel in Schweden, wo erstmals eine Frau ein Turnier der DP World Tour gewann. Oder in Kanada, wo die Fans nach zwei Jahren Corona-Pause endlich wieder Weltklasse-Golf bejubeln durften. Der Rückblick:

Scandinavian Mixed


(Henrik Stenson, Linn Grant und Annika Sörenstam, Photo by Naomi Baker/Getty Images)

Die zweite Ausgabe des Scandinavian Mixed in Schweden sollte eine historische werden. Bei dem von der Ladies European Tour und DP World Tour co-sanktionierten Event durfte sich nämlich nach vier Runden im Halmstad Golf Club erstmals eine Frau in die Siegerliste der Herrentour eintragen. Linn Grant, gebürtig aus Helsingborg, gewann das mit zwei Millionen US-Dollar dotierte Turnier in ihrem Heimatland und schrieb damit Geschichte. "Ich bin sprachlos und so glücklich, dass ich zu Hause bin und alle Kinder und meine Familie hier sind und alle, die mir wichtig sind, zusehen, das ist wirklich schön", so die 22-Jährige, für die es bereits der dritte LET-Titel in diesem Jahr war.

Spannend machte es Grant zu keinem Zeitpunkt der Finalrunde. Mit zwei Schlägen Vorsprung auf Jason Scrivener in den Sonntag gestartet, war sie früh mit fünf Birdies auf den ersten sechs Löchern davongeeilt. "Am ersten Abschlag war ich eigentlich überraschend ruhig", sagte der schwedische Shootingstar, der an den ersten beiden Tagen an der Seite der Golflegende Annika Sörenstam spielte. "Mein erster Tag mit Annika [Sörenstam] war der beängstigendste und stressigste, deshalb habe ich heute auf dem ersten Fairway zu Pontus [ihr Freund und Caddie, Anm. d. Red.] gesagt, dass ich sehr ruhig bin und es heute sehr gut machbar ist."

Dass Grant auf dem Weg war, sich in die Golf-Geschichtsbücher einzutragen, war ihr zu keinem Zeitpunkt der Finalrunde anzumerken. Ihr letztes Bogey notierte sie am Freitag und in Runde vier kamen acht weitere Birdies hinzu. Die Konkurrenz - ob männlich oder weiblich - war chancenlos und am Ende gewann Grant mit neun (!) Schlägen Vorsprung auf die geteilten Zweiten Marc Warren und Henrik Stenson.

"Ich denke, dass ich am Ende mit ein paar späten Birdies auf dem zweiten Platz gelandet bin, und das Einzige, was ich hätte besser machen können, war, alleiniger Zweiter zu werden, weil heute nur eine Spielerin da draußen war, und sie [Grant, Anm. d. Red.] hat fantastisch gespielt", sagte Stenson, der gemeinsam mit Sörenstam als Host des beliebten Mixed-Turniers fungierte und nebenbei sein bestes DP-World-Tour-Ergebnis seit 2017 erzielte.

Aus Sicht des Damengolfs war dieses Turnier natürlich ein riesiger Erfolg. Dieser Bedeutung war sich auch die Siegerin bewusst: "Ich hoffe, dieser Sieg ist bedeutend. Ich hoffe, dass er die Frauen mehr nach vorne bringt und die Leute ein bisschen mehr auf uns aufmerksam macht. Es ist immer schön zu sagen, dass man die Jungs eine Woche lang geschlagen hat!" Für den Sieg bekam Grant ganz nebenbei knapp 320.000 Euro. Zum Vergleich: Für ihre beiden vorherigen LET-Titel erhielt sie zusammengerechnet etwa ein Fünftel dieser Summe.

Eine erneut richtig starke Woche erwischte auch Maximilian Kieffer. Zwei Wochen nach seinem geteilten 14. Rang bei seinem Comeback nach Knieverletzung in den Niederlanden, beendete er das Scandinavian Mixed auf dem geteilten siebten Platz. Eine starke Back Nine am Sonntag mit vier Birdies katapultierte Kieffer zum ersten Mal wieder unter die Top Ten seit seinem geteilten neunten Rang bei der Ras al Khaimah Classic im Februar. Im Saisonranking rückte der 31-Jährige auf den 109. Platz vor. Als nächstes teet Kieffer bei der BMW International Open in Eichenried auf.

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LIV Golf Invitational Series


(Charl Schwartzel und Greg Norman, Photo by Craig Mercer/MB Media/Getty Images)

Am Samstag war Zahltag in London. Das erste Event der LIV Golf Invitational Series ging zu Ende und alle 48 Teilnehmer durften sich über einen mindestens sechsstelligen Preisscheck freuen. Allein der Letztplatzierte, Andy Ogletree, ging nach Runden von 82, 77 und 75 Schlägen auf dem Par-70-Platz des Centurion Golf Clubs mit 120.000 US-Dollar nach Hause. Nicht schlecht, bedenkt man, dass Ogletree die Tage insgesamt in 24 über Par spielte.

Verglichen mit dem, was Charl Schwartzel am Samstag gewinnen konnte, waren diese 120.000 US-Dollar jedoch "Peanuts". Der Südafrikaner gewann das Auftaktevent nämlich und sackte somit den Siegerpreisscheck in Höhe von vier Millionen US-Dollar ein. Hinzukam, dass sein Team, Stinger GC, die Teamwertung gewann und somit weitere drei Millionen US-Dollar unter sich aufteilen durften. Schwartzel, der vor sechs Jahren seinen letzten Profititel holte, war nach den drei Tagen in London also mal eben um 4,75 Millionen US-Dollar reicher.

"Ich wollte unbedingt wieder gewinnen", sagte Schwartzel, der mit einem Gesamtergebnis von sieben unter Par gewann. "Ich habe in den letzten Jahren sehr hart gearbeitet und es gab Anzeichen für gutes Golf, aber ich war einfach nicht in der Lage, um den Sieg mitzuspielen." Der 37-Jährige machte es nach einem Doppel-Bogey auf der Zwölf noch einmal spannend, rettete aber letztlich einen Schlag Vorsprung auf Landsmann und Teamkamerad Hennie du Plessis ins Ziel. Dritter wurde ebenfalls ein Südafrikaner und ein weiteres Mitglied der Stingers GC, Branden Grace. Peter Uihlein teilte sich den dritten Platz. Rang zwei wurde immerhin noch mit 2,125 Millionen US-Dollar, Rang drei mit jeweils 1,5 Millionen US-Dollar belohnt.

Martin Kaymer, der einzige Deutsche im Feld, beendete das Einladungsturnier auf dem geteilten 15. Rang, für den der zweimalige Major-Sieger 250.000 US-Dollar Preisgeld erhielt. Die anstehende US Open in Brookline, Massachusetts, wird er nach dem 54-Löcher-Event jedoch verpassen. Aufgrund einer Verletzung sagte er seinen Start bei dem Major, das er 2014 gewinnen konnte, ab.

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PGA Tour


(Justin Thomas und Rory McIlroy, Photo by Minas Panagiotakis/Getty Images)

Keine andere Tour positioniert sich dieser Tage so klar gegen die neue Saudi-Liga wie die PGA Tour. Mit ihrem Chef Jay Monahan an der Spitze wird eine klare Marschroute vorgegeben: Entweder die oder wir. Und da kam es der etablierten Tour vermutlich ganz Recht, dass parallel zum LIV-Event die Canadian Open in Toronto stattfand, wo nicht nur tausende von Fans im St. George’s Golf Club die Kanada-Rückkehr der PGA Tour nach zwei Jahren Corona-Pause feierten und für eine einmalige Stimmung sorgten. Sondern wo auch einige der besten Spieler der Welt einen hochklassigen Titelkampf boten.

Ganz vorne dabei: Rory McIlroy, einer der größten Befürworter der PGA Tour, der sich in der Vergangenheit immer wieder klar gegen die neue, von Greg Norman initiierte Serie positionierte. In dieser Konstellation nahm der Finaltag fast schon symbolische Züge an. Nach dem Motto "Das ist die PGA Tour und hier kann kein anderes Produkt mithalten" begeisterten McIlroy, Justin Thomas und Tony Finau mit großartigen Schlägen auf allerhöchstem Niveau. Bevor die Titelentscheidung fiel, hatte Justin Rose bereits einen Putt zur 59, schrammte letztlich jedoch hauchdünn an der magischen Nummer vorbei.

Dieser Sonntag hatte wirklich alles. Erst marschierte McIlroy dank unglaublichem Golf auf den ersten zwölf Löchern (-8) davon, dann notierte er plötzlich zwei Bogeys (13 & 16) und ließ die Verfolger wieder herankommen. Doch am Ende fand der Nordire wieder zu seiner Frühform und beendete seine Finalrunde mit zwei Birdies. Die Fans versammelten sich in Scharen rund um das 18. Grün, als McIlroy, ein absoluter Fan-Liebling in Kanada, seinen Titel der Canadian Open erfolgreich verteidigte. Er verwies Finau auf den zweiten Rang und Thomas rutschte nach zwei abschließenden Bogeys auf Platz drei.

Doch am Ende wirkte nicht nur McIlroy wie ein Sieger. Auch die PGA Tour konnte an diesem Sonntag zeigen, was ihr Produkt auszeichnet. Und so konnte sich auch der Champion eine kleine Spitze in Richtung LIV-Tour und ihrem Gründer nicht verkneifen. Kurz nach seinem Sieg sagte McIlroy: "Das ist ein Tag, an den ich mich lange, lange Zeit erinnern werde. 21 PGA-Tour-Siege, einer mehr als jemand anderes." Dieser "jemand anderes" ist eben jener Greg Norman, der aktuell die Golfwelt zu spalten scheint. Doch McIlroy wird seiner Heimat treu bleiben. Und die PGA Tour kann sich über ein würdiges Aushängeschild freuen.

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LPGA Tour


(Ellen und Brooke Henderson, Photo by Omar Rawlings/Getty Images)

Kanada feierte am Wochenende nicht nur seine eigene Meisterschaft im Herrengolf. Am Sonntag durfte sich auch Brooke Henderson zum elften Mal in ihrer Karriere in die LPGA-Siegerinnenliste eintragen. Die 24-Jährige aus Smiths Falls, Ontario, ging mit vier Schlägen Rückstand auf die Spitze in den Finaltag der ShopRite LPGA Classic. Eine fehlerfreie 64 katapultierte Henderson auf -12, womit sie sich in einem Playoff mit der US-Amerikanerin Lindsey Weaver-Wright wiederfand. "Ich dachte eigentlich, dass ich heute zu weit hinten liege, und habe einfach versucht, so tief wie möglich zu gehen und zu sehen, was passiert, und hier sind wir", so die glückliche Siegerin, die das Stechen mit einem Eagle am ersten Extra-Loch für sich entschied.

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Die Ergebnisse der Deutschen:

  • PGA Tour Champions, American Family Insurance Championship: Alex Cejka T14 und Bernhard Langer T35
  • Ladies European Tour, Scandinavian Mixed: Leonie Harm T37, Karolin Lampert T59 und Olivia Cowan & Sophie Witt CUT
  • Challenge Tour, Empordà Challenge: Dominic Foos T29 und Max Rottluff, Nick Bachem, Timo Vahlenkamp, Marc Hammer, Allen John & Jonas Kölbing CUT
  • Korn Ferry Tour, BMW Charity Pro-Am: Thomas Rosenmüller CUT
  • LET Access Series, Montauban Ladies Open: Chiara Noja T9, Patricia Isabel Schmidt T19, Katharina Keilich T35, Anastasia Mickan T48 und Sandy Voss CUT
  • PGA Tour Latinoamérica, Fortox Colombia Classic: Velten Meyer T41
  • LPGA Tour, ShopRite LPGA Classic: Caroline Masson T25 und Isi Gabsa T29
  • DP World Tour, Scandinavian Mixed: Maximilian Kieffer T7 und Marcel Siem, Nicolai von Dellingshausen & Freddy Schott CUT
  • PGA Tour, Canadian Open: Stephan Jäger CUT
  • Epson Tour, Carolina Golf Classic: Greta Isabella Völker T62 und Sophie Hausmann CUT
  • LIV Golf Invitational Series, London: Martin Kaymer T15

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.



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