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Tour-Vorschau

Fünf Geschichten zur US Open

Vorschau auf das Tour-Geschehen mit der 122. US Open in Brookline, Massachusetts.

15. Juni 2022

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Wir legen den dieswöchigen Fokus komplett auf die US Open und haben uns hierfür fünf Geschichten herausgepickt. Von einer Platzbeschreibung über eine Favoritenliste bis hin zu einer denkwürdigen Aktion einer Golflegende ist einiges dabei. Die Vorschau:

The Country Club


(The Country Club, Photo by Warren Little/Getty Images)

Drei US Opens (1913, 1963 & 1988), ein Ryder Cup (1999) und neun Amateurmeisterschaften der USGA. The Country Club ist seit mehr als 100 Jahren eine Konstante in Sachen Austragungsorte großer Turniere. Insbesondere die USGA ist auf dem Willie Campbell Design aus 1895 gerne zu Gast. Der Grund liegt auf der Hand: Als einer der ältesten Country Clubs des Landes war man Gründungsmitglied der United States Golf Association (1894). Der Platz selber ist ein Werk vieler verschiedener Architekten. Angefangen bei Campbell über William S. Flynn (1927) bis hin zu Rees Jones, der für die US Open 1988 Hand anlegte. Der in Brookline, Massachusetts, gelegene Par-71-Kurs, der sich in dieser Woche als Par 70 spielt, hat im Laufe seiner langen Geschichte viele Updates erhalten, um mit den Ansprüchen der Gegenwart mithalten zu können.

Das jüngste Facelifting erhielt der Country Club im Vorfeld der anstehenden 122. US Open. Gil Hanse wurde zusammen mit seiner rechten Hand Jim Wagner engagiert, um den Platz auf seine vierte Major-Austragung vorzubereiten. "Man kann nicht über den Country Club sprechen, ohne die Landformen, die Felsvorsprünge und die Sandsteinfelsen zu erwähnen", so Hanse, der bereits 2009 von seinem neuen Projekt erfuhr, über die Charakteristik des Country Clubs. Er entfernte bei seinem Re-Design Bäume, gestaltete die Bunker neu und vergrößerte die Grüns. Die Putting-Flächen sind aber noch immer sehr klein und dürften in dieser Woche, neben dem dichten Rough, die größte Schwierigkeit darstellen. Hinzukommt ein hügeliges Terrain mit vielen blinden Schlägen, was ein gutes Course Management voraussetzt. Doch dass die US Open kein Birdie-Festival sein wird, ist nicht erst seit dieser Woche klar.

Viele Favoriten


(Scottie Scheffler, Photo by Rob Carr/Getty Images)

Selbstverständlich nehmen bei einem Major alle Stars teil, sofern sie denn fit sind. Abgesagt haben unter anderem Tiger Woods und Paul Casey, doch ansonsten werden keine Topstars vermisst. Und so fällt es in dieser Woche besonders schwer, einen engeren Favoritenkreis zu bestimmen. Doch gehen wir mal der Reihe nach. Beginnend mit der Nummer eins der Welt, Scottie Scheffler, der versuchen wird, der sechste Spieler der Geschichte zu werden, der das Masters und die US Open in einem Jahre gewinnt. Seinen zweiten Major-Sieg des Jahres peilt auch PGA-Champion Justin Thomas an. Jon Rahm reist als Titelverteidiger nach Boston. In den vergangenen 50 Jahren verteidigten nur zwei Spieler ihren US-Open-Titel erfolgreich.

Und dann wäre da noch Rory McIlroy, der seit 2014 seinem fünften Major-Titel hinterherhechelt. Seit seinem Sieg bei der PGA Championship 2014 beendete er 15 Majors unter den Top Ten. Allein zwei davon gelangen ihm in diesem Jahr. Der Gewinner der Canadian Open aus der vergangenen Woche dürfte also im Vorfeld der US Open ein kleines bisschen die Nase vorne haben im Vergleich zur Konkurrenz. Abseits der vier genannten Namen sollten aber auch Spieler wie Cameron Smith, Patrick Cantlay oder Xander Schauffele nicht unerwähnt bleiben. Sie alle jagen ihren ersten Major-Titel.

Die LIV-Rückkehrer


(Phil Mickelson, Photo by Warren Little/Getty Images)

In der vergangenen Woche fand das erste Event der umstrittenen LIV Golf Invitational Series in London statt. Die Gemüter haben sich seitdem noch nicht wirklich beruhigt und weiterhin ist das Thema omnipräsent. Auch im Vorfeld der US Open drehte sich vieles um die neue Tour und insbesondere die Spieler, die sich für LIV und gegen die PGA Tour entschieden. Phil Mickelson beispielsweise kehrte nach vier Monaten Pause in London zurück und nahm am Auftaktevent teil. Die US Open ist sein erstes Turnier auf US-amerikanischem Boden seit Januar. Neben Mickelson war unter anderem auch Dustin Johnson eben nicht bei der Canadian Open, sondern im Centurion Club im Einsatz. Ein Bryson DeChambeau wurde vor wenigen Tagen als Neuzugang von der LIV Golf Series bekanntgegeben. Auch auf ihm wird ein spezieller Fokus liegen, doch medial zog sich der Ex-US-Open-Champion ohnehin schon vor längerer Zeit zurück.

Zu dieser kontroversen Thematik äußerte sich aber selbst DeChambeau und bezeichnete seine Entscheidung als "in erster Linie geschäftlich". Andere sind dagegen genervt von der Thematik und wollen sich lieber voll und ganz auf die US Open konzentrieren. "Ich verstehe es wirklich nicht", so Brooks Koepkas Reaktion auf eine Frage bezüglich LIV. "Ich bin die Gespräche leid, ich bin den ganzen Kram leid. Ihr werft alle eine schwarze Wolke über die US Open. Ich finde das scheiße. Ich fühle mich ausnahmsweise wirklich schlecht für [die USGA, Anm. d. Red.], weil es eine beschissene Situation ist. Wir sind hier, um zu spielen, und ihr redet über ein Ereignis, das letzte Woche stattgefunden hat."

In eine andere Richtung ging die Pressekonferenz des Titelverteidigers Jon Rahm, der sagte: "Ich möchte gegen die Besten der Welt spielen, in einem Format, das es schon seit Hunderten von Jahren gibt. Das ist es, was ich sehen will. Und ja, das Geld ist großartig, aber Kelly [seine Frau, Anm. d. Red.] und ich, als die Sache zum ersten Mal passierte, fingen wir an, darüber zu reden, und wir fragten uns: 'Würde sich unser Lebensstil ändern, wenn ich 400 Millionen bekäme?' Um ehrlich zu sein, könnte ich mich jetzt mit dem, was ich verdient habe, zur Ruhe setzen und ein sehr glückliches Leben führen und nie wieder Golf spielen." Und damit sollte das Thema "LIV Golf" zumindest für diese Woche in der Schublade verschwinden.

Die deutschen Debütanten


(Yannik Paul, Photo by Warren Little/Getty Images)

Bis vor wenigen Tagen sind wir noch von drei deutschen US-Open-Teilnehmern ausgegangen. Nach Martin Kaymers verletzungsbedingter Absage bleiben noch zwei. Und beide geben ihr US-Open-Debüt. Sowohl Yannik Paul als auch Marcel Schneider qualifizierten sich dank zuletzt starker Leistungen auf der DP World Tour für das dritte Major des Jahres. Während Schneider im vergangenen Jahr bereits die Open Championship mitspielte, feiert Paul in dieser Woche auch sein Major-Debüt.

"Ich bin dankbar, dass ich diese Woche mein ganzes Team bei mir habe", schrieb Paul bei Instagram. "Noch ein Tag der Vorbereitung und dann geht es los! Der Kurs ist fantastisch und ich kann es kaum erwarten, loszulegen!" Logischerweise ist die Vorfreude beim 28-Jährigen riesig. Pauls Aufstieg in den vergangenen Monaten ist beeindruckend, bedenkt man, dass er vor einem Jahr noch als Rookie auf der Challenge Tour unterwegs war. Der Auftritt bei der US Open dürfte sein bisheriges Karriere-Highlight sein.

Gleiches gilt für Schneider, der bei der Open Championship 2021 den Cut verpasste, aus dieser Erfahrung aber seine Lehren gezogen haben wird. Auch er stieg im vergangenen Jahr von der zweiten Liga auf. "Toller Trainingstag bei der US Open", schrieb Schneider auf Instagram. "Der Platz ist in fabelhaftem Zustand und ein absolutes Biest! Ich werde morgen weitere 18 spielen, um alle Informationen über den Platz zu bekommen." Für beide wäre das Erreichen des Wochenendes schon ein großer Erfolg. So oft werden sie auf einem solch anspruchsvollen Layout nämlich noch nicht gespielt haben. Und auch die Konkurrenz ist nicht ansatzweise mit der von der DP World Tour zu vergleichen.

Stewarts großer Moment


(Payne Stewart und Colin Montgomerie, Mandatory Credit: Craig Jones /Allsport)

The Country Club in Brookline, Massachusetts, wird mit vielen großen Momenten in Verbindung gebracht. Der vielleicht größte von ihnen ereignete sich 1999, als der Ryder Cup eines der emotionalsten Comebacks seiner Geschichte erlebte. Doch weniger ist es die beeindruckende Leistung des US-amerikanischen Teams im Einzelfinale, das bei der Rückkehr in den Country Club im Vordergrund steht. Vielmehr wird einem Mann gedacht, der mit einem Akt des Sportsgeists für einen der denkwürdigsten Momente des Ryder Cups sorgte. Insbesondere, wenn man bedenkt, welch tragischer Vorfall sich wenige Wochen nach diesem unvergesslichen Sonntag ereignete.

Die Rede ist von Payne Stewarts geschenktem Putt am 18. Grün. Der Ryder Cup war zu diesem Zeitpunkt bereits zugunsten der US-Amerikaner entschieden, doch die Symbolkraft dieser Aktion war gewaltig. Denn Stewarts Matchplay-Gegner Colin Montgomerie sah sich den ganzen Tag über üblen Anfeindungen und Beleidigungen seitens der US-amerikanischen Fans ausgesetzt. Zwischendurch warf sogar ein Mann ein Bier nach Montgomerie und seine Frau, die für ihn Caddie machte. Stewart reagierte schon dort vorbildlich und ließ die entsprechende Person von den Sicherheitskräften abführen. Der damals 42-jährige amtierende US-Open-Champion entschuldigte sich bei Montgomerie für die Vorkommnisse und bot ihm Hilfe an, falls weitere Probleme entstünden.

Die Stimmung in Brookline war an diesem Tag geladen. Doch Stewart sprang auf das unfaire Verhalten einiger Zuschauer nicht auf, sondern stellte sich vor seinen europäischen Kontrahenten. Ihr Match war bis zum Schluss spannend, auch wenn das Ergebnis letztlich keine Auswirkung mehr auf den Ausgang des Ryder Cups hatte. Und so hob Stewart Montgomeries Ballmarker auf, als der sich gerade auf seinen Birdie-Putt an der 18 vorbereiten wollte. Stewart verlor das Match 1auf, stellte seinen Stolz hinten an und setzte somit nochmals ein Zeichen der Fairness an einem Tag, an dem sich Montgomerie vieles anhören musste. Wenige Wochen später starb Stewart bei einem Flugzeugunglück und so bleibt dieser Auftritt als eine der letzten Erinnerungen an den World Golf Hall of Famer. In der Umkleide des Country Clubs wird genau an diesen Ryder-Cup-Moment mit einer Collage erinnert und so schwebt in dieser Woche auch ein wenig Stewarts Geist über die US Open.

Die Deutschen im Einsatz:

  • Major, US Open: Marcel Schneider und Yannik Paul
  • Ladies European Tour, Aramco Team Series – London: Olivia Cowan, Sarina Schmidt, Karolin Lampert, Leticia Ras-Anderica, Leonie Harm, Chiara Noja, Luisa Dittrich, Sophie Witt und Helen Tamy Kreuzer
  • Challenge Tour, Kaskáda Golf Challenge: Alexander Knappe, Felix Katzy, Yannik Schütz, Jannik de Bruyn, Michael Hirmer, Tim Tillmanns, Bernd Ritthammer, Nick Bachem, Timo Vahlenkamp, Dominic Foos, Allen John, Jonas Kölbing, Max Rottluff und Freddy Schott
  • Korn Ferry Tour, Wichita Open: Jeremy Paul und Thomas Rosenmüller
  • PGA Tour Canada, ATB Classic: Alexander Herrmann und Lukas Euler
  • LPGA Tour, Meijer LPGA Classic: Esther Henseleit, Caroline Masson, Sophia Popov und Isi Gabsa
  • Epson Tour, Ann Arbors Road to the LPGA: Sophie Hausmann, Greta Isabella Völker und Polly Mack

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.



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