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Tour-Vorschau

Gemeinsame Sache

Vorschau auf das Tour-Geschehen mit zwei co-sanktionierten Events und einem weiteren Major auf der PGA Tour Champions.

06. Juli 2022

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In schweren Zeiten gilt es zusammenzustehen. Dass die PGA Tour und die DP World Tour aktuell eine solche schwere Zeit durchmachen, ist unbestritten. Man sorgt sich um seine Vormachtstellung im Herrengolf, denn aus Saudi-Arabien fließen Gelder, die das gesamte System aus den Angeln zu heben scheinen. Umso wichtiger sind Wochen wie diese, in denen man gemeinsame Sache macht und die besten Spieler der Welt anlockt. Die Vorschau:

Scottish Open


(Sepp Straka, Photo by Luke Walker/Getty Images)

In dieser Woche finden die ersten von der DP World Tour und PGA Tour co-sanktionierten Events in Europa beziehungsweise den USA statt. Das größere von beiden ist die Scottish Open, die auch zur hochdotierten Rolex Series zählt und insgesamt acht Millionen US-Dollar ausschüttet. Zwar war die schottische Meisterschaft schon in der Vergangenheit ein beliebter Härtetest vor der Open Championship, so hochkarätig besetzt wie in dieser Woche war das 1972 erstmals ausgetragene Turnier aber noch nie. 14 der Top-15-Spieler sind am Start. Ein Ausrufezeichen an die immer größer werdende Konkurrenz aus Saudi-Arabien und ein Resultat der strategischen Allianz zwischen den beiden globalen Touren, die vermutlich nur gemeinsam gegen die LIV Golf Series bestehen können.

LIV-Spieler sind bei der Scottish Open ausgeschlossen worden. Topstars wie Dustin Johnson, Brooks Koepka oder Bryson DeChambeau können also nur zuschauen, wie ihre Kollegen im The Renaissance Club eine Art Mini-Major ausspielen. Einzig Ian Poulter, Justin Harding, Adrian Otaegui und Branden Grace klagten sich trotz ausgesprochener Sanktionen ins Feld ein. Allein aus diesem Hintergrund steht die Scottish Open in dieser Woche im Mittelpunkt des Tour-Geschehens. Es ist ein weiteres Kapitel in der Saga "LIV vs. Status Quo".

Abgesehen davon ist die sportliche Relevanz natürlich enorm. Einzig Rory McIlroy setzt eine Woche vor dem letzten Herren-Major des Jahres aus und bereitet sich in anderer Form auf die Open in St. Andrews vor. Dafür sind bei der 40. Ausgabe der Scottish Open alle vier aktuellen Major-Sieger am Start – Scottie Scheffler, Justin Thomas, Matt Fitzpatrick und Collin Morikawa. Ergänzt wird das Feld von Topstars wie Jon Rahm, Hideki Matsuyama oder Jordan Spieth. Solange man solche hochkarätigen Teilnehmerfelder zusammenbekommt, müssen sich DP World und PGA Tour keine allzu großen Sorgen um ihre Vormachtstellung machen.

In dem in etwa zur Hälfte aus PGA-Tour- und zur anderen Hälfte aus DP-World-Tour-Spielern bestehenden Teilnehmerfeld befinden sich auch zwei deutsche Hoffnungsträger. Stephan Jäger erhielt über die PGA Tour einen Platz und Maximilian Kieffer ist als DP-World-Tour-Spieler gesetzt. Abgesehen davon, in einem solch illustren besetzten Turnier teilnehmen zu können, dürfte die Scottish Open für beide einen weiteren Anreiz haben. Denn wer in dieser Woche die Top Ten erreicht und noch nicht für die Open Championship qualifiziert ist, hat eine gute Chance, sich eines der letzten Major-Tickets zu schnappen.

Barbasol Championship


(Seamus Power, Photo by Andy Lyons/Getty Images)

Wie gut die Scottish Open besetzt ist, zeigt allein der Fakt, dass in den USA ein Alternativevent stattfindet, was normalerweise nur bei Majors oder World Golf Championships der Fall ist. Auch die Barbasol Championship ist von DP World und PGA Tour co-sanktioniert und vergibt sowohl Punkte für die eine wie für die andere Saisonwertung. Bei dem in Nicholasville, Kentucky, stattfindenden Event, das knapp halb so viel Preisgeld wie sein schottisches Pendant ausschüttet, treten 50 DP-World-Tour-Spieler an. Darunter befinden sich auch sechs Deutsche. Marcel Siem hat die größte Erfahrung, was das Spielen von PGA-Tour-Events in den USA angeht. 2013 spielte er dort beispielsweise sieben Turniere und wurde unter anderem bei der Valero Texas Open geteilter Zehnter. Sein letztes USA-Gastspiel liegt nun aber auch schon sieben Jahre zurück.

Während die Barbasol Championship, 2015 ins Leben gerufen, für gewöhnlich das Alternativevent zur Open Championship war, wird in dieser Woche ein letztes Open-Ticket an den Sieger vergeben. Ein Titelgewinn im Keene Trace GC dürfte also in vielerlei Hinsicht den Karriereverlauf in eine andere Richtung lenken. Im vergangenen Jahr gewann Seamus Power in einem Playoff gegen J.T. Poston. Mittlerweile ist der Ire Top-40-Spieler und ein fester Bestandteil bei den Majors. Für Siem, Marcel Schneider, Yannik Paul, Hurly Long, Nicolai von Dellingshausen und Matti Schmid steht also eine besondere Woche bevor.

PGA Tour Champions


(Jerry Kelly und Steve Stricker, Photo by Tracy Wilcox/PGA TOUR via Getty Images)

Für die besten Senioren steht das zweite von drei aufeinanderfolgenden Majors auf dem Plan. Zunächst gewann Padraig Harrington die US Senior Open vor zwei Wochen und nun geht es mit der Senior Players Championship weiter, bevor in zwei Wochen die Senior Open Championship ansteht. Durchaus entscheidende Wochen also für die Champions um Bernhard Langer und Co. Der Deutsche verpasste bei der US Senior Open noch den Cut und wird in Akron, Ohio, an seine positiven Erinnerungen an dieses Event anknüpfen wollen. Zwischen 2014 und 2016 gewann Langer die Senior Players drei Mal in Folge - damals aber noch nicht im Firestone CC.

Aufgrund der jüngeren Ergebnisse geht Langer nicht als Top-Favorit in das mit drei Millionen US-Dollar dotierte Event. Ein heißer Anwärter auf den Titel wäre Harrington gewesen. Der Ire bereitet sich jedoch lieber auf die anstehende Open Championship in St. Andrews vor und startet daher in Schottland. Damit ist der heißeste Anwärter auf den Sieg in Ohio auch schnell bestimmt. Steve Stricker wurde nach einer überragenden 65 am Finaltag der US Senior Open Zweiter und erzielte seine fünfte Top-Ten-Platzierung in sechs Starts. Titelverteidiger ist der 55-Jährige auch noch, nachdem er im vergangenen Jahr mit sechs Schlägen Vorsprung gewann. Stellt sich also die Frage: Wer soll diesen Stricker aufhalten?

Die Deutschen im Einsatz:

  • PGA Tour, Barbasol Championship: Matti Schmid, Nicolai von Dellingshausen, Yannik Paul, Marcel Schneider, Marcel Siem und Hurly Long
  • Ladies European Tour, Estrella Damm Ladies Open: Karolin Lampert, Luisa Dittrich, Verena Gimmy, Franziska Friedrich und Sarina Schmidt
  • Challenge Tour, Le Vaudreuil Golf Challenge: Freddy Schott, Nick Bachem, Allen John, Jonas Kölbing, Velten Meyer und Philipp Mejow
  • Legends Tour, Swiss Seniors Open: Thomas Gögele
  • Epson Tour, Twin Bridges Championship: Greta Isabella Völker
  • LET Access Series, Trust Golf Links: Patricia Isabel Schmidt und Chiara Noja
  • DP World Tour, Scottish Open: Stephan Jäger und Maximilian Kieffer
  • PGA Tour Champions, Senior Players Championship: Alex Cejka und Bernhard Langer

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.



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