Bernd Wiesberger

Dänische Doppel-Wende

Bernd Wiesberger ist nach langer Durststrecke zurück in der Golfelite.

01. Juni 2021

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Bernd Wiesberger liebt Filme, wie der 35-jährige Österreicher auf seinem European Tour-Profil angibt. Wie der Lieblingsfilm des gebürtigen Wieners im Besonderen heißt, ist zwar nicht bekannt. Eine Dokumentation über seine eigene Golfkarriere dürfte Wiesberger aber mit Sicherheit sehr interessieren. Insbesondere die letzten Filmkapitel aus der jüngsten Vergangenheit. 15 Jahre nach seinem Einstieg als Golfprofi hat sich der Golfer aus der Alpenrepublik nach einer vorausgegangenen Durststrecke nämlich zuletzt erfolgreich auf die große Bühne zurückgekämpft. Wiesberger feierte beim Made in Himmerland im dänischen Farsø seinen achten Titel auf der europäischen Tour. /

Als einer der zentralen Drehorte für eine Verfilmung von Wiesbergers Karriere würde sich insbesondere Dänemark eignen. Genauer gesagt die Anlage des Himmerland Golf Klub. "Es ist ein spezieller Ort für mich", sagte der dänische Doppelsieger. Die Veranstaltung in Skandinavien, die 2020 wegen der Corona-Pandemie nicht ausgetragen wurde, hat Wiesberger nunmehr zwei Mal in Serie gewonnen. Es war die erste erfolgreiche Titelverteidigung auf der European Tour seit der Open de España 2019 (Jon Rahm). "Es ist unglaublich. Ich mag diese Veranstaltung. Hier zu spielen gibt mir Zuversicht. Insbesondere nach einer Vielzahl an harten Wochen", hatte sich Wiesberger im Siegerinterview geäußert.

 

 

Im falschen Film: Zwangspause und Ranking-Absturz

Die "harten Wochen" gehören zum dunklen Filmkapitel von Wiesberger. Und sind auch eher zeitlich auf "harte Monate oder Jahre" auszudehnen. Denn Wiesberger hat in der Zeit zwischen 2017 und seinem ersten Erfolg in Dänemark im Mai 2019 einen harten Absturz erlebt. Nach seinem vorerst letzten Sieg beim Shenzhen International im April 2017 lief für den Österreicher zwei Jahre lang so gut wie gar nichts mehr zusammen. Zudem zwang ihn 2018 eine Handgelenksverletzung zu einer Operation und damit zu einer einhergehenden mehrmonatigen Sportpause. Die einstige Nummer 21 der Golfweltrangliste (OWGR) rutschte im Ranking bis auf Position 389 ab - und gab damit seinen Status als österreichische Nummer eins zwischenzeitlich an seinen über neun Jahre jüngeren Landsmann Matthias Schwab ab. 

Wenngleich für Wiesberger ab dem zweiten Halbjahr 2019 eine hervorragende Saison mit drei European Tour-Titeln folgte - neben seinem ersten Sieg in Dänemark gewann er bei den Rolex-Series-Turnieren der Scottish sowie der Italian Open - konnte der Österreicher in Folge seine Bestmarke im OWGR von 2015 nicht mehr knacken. Die Spannungskurve seiner Karriere-Story sank wieder. Nach einem erneut eher mäßigen Jahr 2020 ohne eine einzige Top-Drei-Platzierung sowie schwächeren Ergebnissen bei den ersten Veranstaltungen im laufenden Jahr fiel Wiesberger zuletzt wieder aus den Top 50 heraus. Verpasste Cuts und Platzierungen außerhalb der Top 25 auf der PGA Tour sowie bei Majors taten ihr Übriges, dass Wiesberger auf der Stelle trat. Es war eine harte Zeit, in der sich Wiesberger das eine oder andere Mal selbst gefragt haben dürfte, ob er nicht im falschen Film steckt.

 

 

Das jüngste Kapitel: Skandinavischer Seriensieger

Wiesbergers dänischer Doppelerfolg bringt nun möglicherweise zum zweiten Mal in seiner Karriere eine Art Kehrtwende mit sich. Der Burgenländer ist nunmehr nicht nur die österreichische Nummer eins. Sondern der begeisterte Skifahrer hat sich auch im Ryder Cup-Ranking weit nach oben gespielt. Sollten seine guten Ergebnisse anhalten, würde sich Wiesberger als erster Österreicher überhaupt für den interkontinentalen Titelkampf zwischen Europa und den USA qualifizieren. Und damit auch das nächste spannende Filmkapitel aufschlagen. 

Wiesbergers Story geht also weiter. Ob diese Geschichte ihn demnächst zu einem großen Titel führt, es zu einem Happy End und zu keinem erneuten Filmriss kommt, ist im Drehbuch derzeit nicht vermerkt. Der skandinavische Seriensieger kann als Hauptdarsteller jedenfalls eine wichtige Rolle bei der Fortsetzung der eigenen Geschichte einnehmen.

Robert M. Frank

Robert M. Frank
Freier Redakteur

Nach abgeschlossenem Sportwissenschaft-Studium an der TU München ab 2008 als freier Autor/Reporter/Sportjournalist für Online-Portale, Tageszeitungen, Zeitschriften und Agenturen tätig. Der gebürtige Münchner, Jahrgang 1981, mit Trainerlizenzen im Fußball und Tennis stieß 2018 zum Golf.de-Redaktionsteam hinzu. Heimatclub: G&LC Gut Rieden in Starnberg.

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