Handicap Papa

Weihnachten im Juni

Unser Handicap Papa Kolumnist wurde zuhause rausgeschmissen. Ein Grund zum Feiern, wie er findet.

09. Juni 2021

Artikel teilen:

Man soll ja vorsichtig sein mit Superlativen. Aber dieser Juni begann für mich tatsächlich episch. E-PISCH! Ja, die Tomatenpflanzen im Garten sind toll angegangen, aber das war nicht der Grund. Vielmehr schien meine Post-Corona-Grummeligkeit dermaßen nervige Ausmaße angenommen zu haben, dass mich meine Familie rausschmiss. Zumindest für fünf Tage. Jetzt verstehen Sie auch die Überschrift. Ich hatte frei! Und konnte verreisen. Allein!

Nicht ganz normal?

Was mancher für "zurück in die Normalität" hält, interessierte mich ja eh nicht so: Wieder im Vierer-Flight über den Golfplatz gehen? Ich gehe eh lieber allein, damit niemand mein Gegurke sieht. Endlich wieder shoppen gehen? In unserer Innenstadt gibt es keinen Proshop. 

Für mich bedeutet zurück in die Normalität vor allem, unterwegs sein zu können. Am liebsten in Sachen Golf. Und vergangene Woche war es soweit: Bescherung!

Trotz meines zweifelhaften Rufs als Kolumnist bekam ich eine Akkreditierung für die Porsche European Open in Green Eagles bei Hamburg. Und bevor Sie jetzt sagen: "Dieser Schleimbeutel, erst textet er uns hier talentfrei zu, um sich dann auch noch Zugang zur PEO zu erschleimen." Ja, Sie haben uneingeschränkt recht. Mein Büßergang nach Santdiago de Compostella ist schon gebucht…

Kleiner Trost

Sicher ist es nur ein kleiner Trost und Jammern auf hohem Niveau, wenn ich Ihnen von den restriktiven Zugangskriterien der Tour erzähle. Aber dass die Porsche European Open überhaupt stattfinden konnte, sogar mit Publikum, ist der Tatsache zu verdanken, dass die Veranstaltung als Modellprojekt stattfand. Und da geht es härter zu als an der Tür im Berliner Berghain.

Alle, von den Spielern über die Caddies bis hin zu uns Journalisten und Veranstaltern waren in einer Turnier-Bubble. Da kam man nur mit PCR-Test hinein. Und durfte bis zum Ende des Turniers nicht raus. Eigentlich ein Traum: entweder auf dem Golplatz sein - oder im Bubble-Hotel die Minibar leertrinken.

Golf vs. Golf

Doch jetzt zum Wichtigen: Golf. Also zu dem Golf, das die Jungs spielen. Nicht das Golf, was ich zusammenwürge. Der Unterschied zwischen beidem ist ungefähr so groß wie zwischen dem, was Politiker vor einer Wahl sagen, und nach einer Wahl tun. Diese Erkenntnis wurde mir bereits am ersten Nachmittag meines Herumlungerns auf der Range mal wieder klar. 

Da steht Henrik Stenson auf der Range und zeichnet mit seinen Eisen kosmische Flugkurven in den Himmel über Green Eagle, derweil die Erde bei jedem Impact unter seinen 1,90 bebt. Dass er nach zwei gespielten Runden nach Hause fahren musste, war natürlich jammerschade. Genauso, wie Martin Kaymers Ausscheiden. Im Grunde ist es für den Laien ein Rätsel: Wie können diese Jungs NICHT zwanzig unter Par spielen. Bei jeder Runde. Sie treffen den Ball derartig gut - es hat wirklich nichts mit dem Gehacke von uns Golfzwergen zu tun.

Längen-Monster

Die Antwort auf die Frage, weshalb besonders hier in Green Eagle so manche Scorekarte aussah, wie meine nach den erste Neun beim Herrengolf, bekommt man, wenn man mal auf den Turnierplatz geht. Green Eagle ist ein Monster. Marcel Siem brachte es in seiner Authentizität wunderbar auf den Punkt: "Als Golfprofi mit +4 zu sagen, man hat gut gespielt, klingt blöd. Aber auf der Wiese ist das nicht schlecht…" Nur mal zur Einordnung: Mit 7.308 Meter ist der Porsche Nordkurs einer der zehn längsten Plätze der Welt!

Apropos "lang": jetzt habe ich lange genug herumgeprahlt. Aber wenn für mich Weihnachten für mich Juni ist, kann ich Ihnen das nicht vorenthalten. Und muss mich einfach mal hier ausgiebig freuen. Beim nächsten Mal meckere ich wieder, versprochen!

>> Hier geht's zu News über die Porsche European Open

Fabian Kendzia

Fabian Kendzia
Handicap-Papa-Kolumnist

I Alter: 44 Jahre I Wohnort: Erfurt, Thüringen I festangestellt in einer Werbeagentur I Familienstand: Freundin, 2 Kinder

Ähnliche Artikel