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Vision Gold bleibt

Esther Henseleit lässt sich ihre Träume von der Corona-Pause nicht nehmen.

04. September 2020

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In der Corona-Zwangspause ist Esther Henseleit vorübergehend aus Hamburg zu ihren Eltern ans Zwischenahner Meer gezogen. Die 21-jährige Überfliegerin des europäischen Golfsports wurde - wie viele andere auch - durch Corona abrupt gestoppt. Ende 2019 gewann sie das Saisonfinale der Ladies European Tour und als Rookie des Jahres die "Order of Merit"-Saisonwertung. Zudem errang sie über die Q-School die Spielberechtigung für die LPGA Tour 2020. Somit hätte sie dieses Frühjahr eigentlich auf der anderen Seite des großen Teichs sein sollen, um sich in den USA mit den besten Proetten der Welt zu messen.

"Ich habe wirklich in der Nacht vor diesem 'morgens in die USA fliegen' erfahren, dass die Turniere abgesagt sind", so die Spielerin des Elite Team Germany im Interview, das Uwe Bornemeier für den DGV geführt und in ein Video-Portrait verarbeitet hat. "Das war dann schon ein kleiner Schock."

Europas Nummer eins wollte sich in diesem Jahr auf die LPGA konzentrieren und neue Ziele stecken. Die Corona-Zeit zwang sie dann aber zum wochenlangen Training im elterlichen Garten, bevor sie mit einer Sondergenehmigung auf den Golfplatz durfte und in ihrem ehemaligen Heimatclub, dem Golfclub am Meer, einsam ihre Runden drehte. Golfspielen in Quarantäne quasi. 

Alles so gut es ging zusammengehalten

"Ich habe mir ein Netz im Garten aufgebaut und meine Putt-Matte rausgeholt und alles so gut es ging zusammengehalten. Dann war ich auf dem Golfplatz tatsächlich komplett alleine unterwegs, weil kein anderer mit durfte." Das sei schon "komisch" gewesen - aber auch "extrem schön, mal wieder einen Ballflug zu sehen".

Vision Gold aufgeschoben

Ein Saisonhöhepunkt für Henseleit, die mit einem sagenhaften Handicap von plus 7,1 ins Profi-Lager gewechselt hatte, sollten eigentlich die Olympischen Spiele in Tokio sein. Schon als kleines Kind habe sie von Olympia geträumt - und als Golf dann olympisch wurde, wusste sie, dass sie "da unbedingt dabei sein muss".

Erfolge auf dem Weg, um einige zu nennen: Mit 13 wurde Esther Henseleit in ihrer Altersklasse zum ersten Mal Deutsche Meisterin, gefolgt von weiteren Deutschen Jugendmeisterschaften und internationalen Titeln. Mit dem Hamburger GC Falkenstein folgte der Meistertitel 2018 und mit Rekordvorsprung auch der Titel bei den Damen. "Der Junior Solheim Cup war dann das Highlight meiner Amateurkarriere", so die Psychologiestudentin weiter. 

Positiv und sehr bei mir

Ihr Erfolgsrezept? Die mentale Stärke: "Auf jeden Fall hilft mir die Herangehensweise auf dem Golfplatz. Dass ich sehr positiv bin und dass ich sehr bei mir bin." Und das soll sich auch nicht ändern. Der Re-Start in den USA ist terminiert und auch die Vision Gold ist nur aufgeschoben und zum Glück nicht aufgehoben. 

Der Re-Start der LPGA Tour soll Mitte Juli kommen, die Olympischen Spiele wurden auf Sommer 2021 terminiert. Das Golfspiel will sie dann umso mehr genießen - und so schnell wie möglich wieder ihren "Traum leben".

Sebastian Burow

Sebastian Burow
Chefredakteur Golf.de/Mygolf

Spielt seit mehr als 30 Jahren Golf und schreibt seit guten 20 Jahren über Golf.

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