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Fotograf, Feingeist, Familienmensch

Sie liefern Bilder, magische Momente, sehenswerte Szenen in der Welt des Golfsports. Sie reisen quer über den Globus, um Fans und Medien die schönsten Motive zu schenken, die häufig mehr erzählen als tausend Worte. Mygolf.de porträtiert die renommiertesten Golf-Fotografen. Teil I: Stefan Heigl.

30. Oktober 2020

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Dass Stefan Heigl zu den renommiertesten Golf-Fotografen Deutschlands gehört, hat irgendwie auch was mit Michael Jackson zu tun. Und mit der Lufthansa. Vor allem aber mit Neugier und der Bereitschaft des 59-jährigen Münchners, Neues auszuprobieren. Aber der Reihe nach.

Nach dem Abitur absolviert Stefan Heigl zunächst eine Ausbildung zum Fernmelde-Handwerker bei der Deutschen Post. Danach beginnt er ein Studium zum Wirtschaftsingenieur. Das Interesse für die Fotografie entsteht, als sich seine Frau eine neue Kamera kauft. Die kreative Ader des Stefan Heigl, der sich während des Studiums fast schon obligatorisch mit Taxifahren über Wasser hält, kommt endlich zum Vorschein.

Als Student absolviert er ein Vorpraktikum in einer Münchner Montessori-Schule, in der Ende der 80er-Jahre ein gewisser Michael Jackson Geschenke an die Kids verteilt. Klar sind die Boulevard-Journalisten der Stadt alarmiert und tauchen den King of Pop in ein Blitzlichtgewitter. "Mich hat die Arbeit der Fotografen fasziniert und ich habe mich anschließend beim Münchner Merkur beworben, wo ich dann auch Bilder aus allen Bereichen machen durfte", erklärt Heigl. Politik, Wirtschaft, Lokales, Sport - was man halt so alles im Bild einfangen und in Tageszeitungen drucken kann.

Zu dieser Zeit war noch nicht abzusehen, dass es irgendwann einmal Richtung Golf-Fotografie gehen soll. Zum ersten Mal Kontakt mit jener Sportart, die seinerzeit durch die Erfolge Bernhard Langers in deutschen Medien Fuß fasst, hat Heigl dann in den USA. Gemeinsam mit einem Redakteur fliegt er nach Phoenix/Arizona, um eine Story über die Pilotenausbildung der Lufthansa zu machen. Der damalige Ausbilder war Willi Kuhweide, Segel-Olympiasieger, Pilot - und Golfer.

Der empfing die beiden Herren aus Deutschland im Boulders Golf Club. Heigl: "Wir haben dann auch gleich schöne Bilder des Platzes gemacht, die wir an Golfmagazine verkaufen konnten." Das war so etwas wie die Geburt des Golf-Fotografen Stefan Heigl. "Ich fotografiere Golf sehr gerne. Es ist sehr ästhetisch, wird in wunderschöner Landschaft gespielt und bietet zahlreiche magische Momente." Er sagt, man brauche Zeit, Muse und Kreativität, um tolle Golfbilder zu schießen. Eine Herausforderung.

Jede Sportart hat andere Anforderungen an die Foto-Journalisten. Stefan Heigl muss es wissen. Er war bei der Tour de Suisse, bei Cross- und Mountainbike-Weltmeisterschaften sowie diversen Funsport-Events. Ist da Golf nicht eher langweilig? "Nein, im Gegenteil. Golf kann sehr emotional und euphorisch sein. Bei den British Open fängt man auch mal betrunkene Fans in kuriosen Klamotten ein, die Fish & Chips essen. Das ist dann ganz was anderes als in einem spanischen Nobel-Club."

Apropos Spanien: Entlang der Küste der Iberischen Halbinsel gibt es kaum einen Golfplatz, den Stefan Heigl nicht gesehen hat. Für Magazine, Reiseführer und Bücher knipst der Münchner unzählige Anlagen. Mal morgens, mal mittags, mal abends. "Es kommt viel auf das Licht an. Deswegen sollte man jeden Platz aus verschiedenen Perspektiven und zu jeder Tageszeit betrachten", sagt er. Um erreichbar zu sein und seine Werke direkt in die Redaktionen zu schicken, schleppt er damals immer eine Tasche mit einem Faxgerät mit. Das war die Zeit vor E-Mails und Wetransfer.

Heute ist der verheiratete Familienvater aus München einer der großen Golf-Fotografen in Deutschland. Der Münchner Autobauer BMW setzt seit Jahren auf die Dienste des Radsportlers Stefan Heigl, der im Fitness-Studio gerne Gewichte stemmt. Markenzeichen: ziemlich muskulöse Oberarme, die ihm beim Schleppen des Equipments auf dem Platz zugute kommen. Der eine oder andere Profi-Golfer wäre froh, in diesem Alter noch so fit zu sein. Profis trifft er so einige in all den Jahren. Beim Ryder Cup 1999, bei mehreren British Open und der US Open ist Heigl im Einsatz und hält die Großen in der Welt des Golfsports in seinen Bildern fest. Dazu kommen Aufträge für die PGA of Germany und den Deutschen Golf-Verband.

Stefan Heigl hat so viele Golfplätze gesehen. Er war in China, Australien, Mexiko, Südafrika. Um diese tollen Reisen und Erfahrungen macht einer wie Heigl aber nur ungern viel Wind. Er ist ein Meister des Understatements und würde nie mit seinem beeindruckenden Portfolio prahlen. Stefan Heigl hat viel gesehen in den vergangenen 30 Jahren; an erster Stelle steht aber die Familie. Seine Frau, zwei Kinder und Mischling Tina. Fotografie ist für ihn aber dann doch mehr als nur ein Beruf. "Man muss Spaß haben an dem, was man tut. Nur so kann man gut sein", sagt einer, der über Umwege zu seiner Berufung fand. Vielleicht auch durch Michael Jackson und die Lufthansa.

Thomas Kirmaier

Thomas Kirmaier
Freier Redakteur

Früher Eishockey, jetzt Golf. Arbeitet als freier Redakteur. Golferische Homebase: Bad Griesbach.

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