Sport

Ist der GOAT wirklich fertig?
 

Tiger Woods greift nach Titel 83, aber die Twens machen ihm das Siegen schwer.

30. Oktober 2020

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Wann ist man eigentlich zu alt, um Turniere auf der PGA bzw. der European Tour zu gewinnen? Gehört Tiger Woods inzwischen zum alten Eisen? Ausgerechnet Tiger. Der GOAT, der Greatest Of All Time, tut sich in diesem kuriosen Jahr 2020 so schwer wie selten zuvor. Das Gesamtklassement der ZOZO Championship Ende Oktober führte Woods (44) auf dem fünftletzten und den großen Phil Mickelson (50) gar auf dem vorletzten Rang. Ganz vorne hatten die Besten des Turniers, die End-20er wie Patrick Cantlay (28), Justin Thomas (27) und Jon Rahm (26) satte 20 Schläge weniger auf dem Konto. 20! Puh, das tut weh.

Die Wachablösung der großen Namen, der Big Guys der vergangenen Jahre, scheint längst abgeschlossen zu sein. Die Majors in diesem Jahr gewannen Bryson DeChambeau (27) und Collin Morikawa (23). Die Twens haben im Zirkus Golf das Kommando übernommen. Im Übrigen auch auf der European Tour, wo sich Männer wie Adrian Otaegui (27), Aaron Rai (25), Tyrrell Hatton oder John Catlin (beide 29) die dicksten Börsen krallen.

Okay - die Hoffnung stirbt zuletzt. Zumal auf beiden Touren jüngst auch Typen wie Jason Kokrak (35) und Ross McGowan (38) triumphierten. Es geht also auch, wenn man schon etwas älter ist. Man muss nicht immer extrem weit schlagen können wie die Hulks auf der Tour, die Längen ins Fairway zimmern, die einem den Schweiß auf die Stirn treiben. Und doch ist auf der internationalen Golfbühne eine neue Generation herangewachsen, die Turniere gewinnen kann. Dazu gehören neben den Twens auch Teenager wie der Däne Rasmus Hojgaard.

Ist die Zeit der Turniersiege für Tiger Woods also endgültig vorbei? Wird er, der vielleicht beste Golfer aller Zeiten, nie wieder ein großes Event für sich entscheiden? Wird er doch nie alleiniger Rekordhalter mit 83 Siegen auf der PGA Tour und muss sich die Bestmarke von 82 auf ewig mit Sam Snead teilen? Mit seinen 44 Jahren gehört Woods noch lange nicht zum alten Eisen. Die Jungen schlafen aber nicht und sind stärker denn je. Und: Einen gesunden und fitten Körper hat der Tiger schon lange nicht mehr. Die Schmerzen lassen sich meist direkt in seinem Gesicht ablesen.

Vor der ZOZO Championship lobte der 50-jährige Mickelson, der inzwischen erste Erfolge auf der Champions Tour eingesammelt hatte, Woods über den grünen Klee. Die Aussagen Mickelsons, er habe Woods so viel zu verdanken, sei durch ihn inspiriert worden, wirkten wie die Fußnote eines Lehrers: "Weiter so!" Wie eine Art Nachruf oder aufmunternder Appell an einen Angeschlagenen, nicht aufzugeben. Erinnerungen an Filmfigur Rocky Balboa wurden wach, als Apollo Creed dem alternden Italian Stallion Mut machen musste, um wieder zu Kräften zu finden.

Am 29. Oktober feierten die US-Amerikaner den "Tag der Katze" (National Cat Day). Ist der Tiger Ende 2020 wirklich fertig? War der Masters-Sieg 2019 tatsächlich der letzte Coup des GOAT oder kommt da noch was von Eldrick Tont Woods? Zum Jahreswechsel feiert er seinen 45. Geburtstag. Kein junges Kätzchen mehr, aber eben auch noch kein alter, grauer Kater, der zu alt ist zum Siegen, oder?

Thomas Kirmaier

Thomas Kirmaier
Freier Redakteur

Früher Eishockey, jetzt Golf. Arbeitet als freier Redakteur. Golferische Homebase: Bad Griesbach.

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