Tour-Vorschau

Dabei sein ist nicht alles

Vorschau auf das Tour-Geschehen mit dem olympischen Herrenevent, einem innovativen Turnier in Nordirland und einem weiteren Major.

28. Juli 2021

Artikel teilen:

Ein golferisches Großevent jagt das nächste. Nach den zahlreichen Majors in den vergangenen Wochen blickt die ganze Welt nach Tokio, wo sich erneut einige der besten Golferinnen und Golfer messen. Den Anfang machen die Herren. Abseits von Olympia findet man in Nordirland eine Lösung, Damen und Herren Seite an Seite abschlagen zu lassen. Und klar: Ein Major gibt es auch noch. Die Vorschau:

Olympische Spiele, Herren


(Tee-Marker bei den Olympischen Spielen, Photo by Keyur Khamar/PGA TOUR via Getty Images)

Die ersten Medaillen sind bei den umstrittenen Sommerspielen in Tokio bereits vergeben und am Donnerstag geht es auch für die Golfkonkurrenz endlich um Gold, Silber und Bronze. Und auch wenn die Abwesenheit der Fans und die Kontroverse rund um ein solches Mega-Event zu Zeiten einer Pandemie nicht spurlos an den Athletinnen und Athleten vorbeigeht - am Ende des Tages ist für viele die Teilnahme bei Olympia eine einmalige Chance und entsprechend hoch ist die Vorfreude und Anspannung, sein Land vertreten zu dürfen. Für Deutschland wird diese Ehre Sophia Popov, Caroline Masson, Maximilian Kieffer sowie Hurly Long zuteil. Sowohl für die Damen- als auch die Herrenkonkurrenz steht ein reguläres Einzel-Zählspielevent über 72 Löcher auf dem Programm. Einen Cut gibt es bei Olympia nicht.

Olympisches Feld der Golf-Spiele >>>

In Tokio heißt es "Gentlemen first". Zunächst treten von Donnerstag bis Sonntag 60 Athleten aus 35 unterschiedlichen Ländern an. Die Damen folgen in der Woche drauf. Daher soll in dieser Vorschau der Fokus auf der Herrenkonkurrenz um Kieffer und Long liegen. Ginge es strikt nach der offiziellen Weltrangliste hätten in Tokio eigentlich Martin Kaymer und Stephan Jäger unter der deutschen Fahne spielen sollen. Beide Spieler sagten ihren Start jedoch aus unterschiedlichen Beweggründen ab und so rückte Kieffer als drittbester Deutscher im OWGR (217.) nach. Auch Long, aktuell als 272. sechsbester Deutscher, nimmt die "komplizierten Umstände" der Spiele in Tokio, wie sie Kaymer beschrieb, gerne in Kauf und träumt von der Medaille: "Eine Medaille würde mir extrem viel bedeuten, weil es auch für mein Land wäre."


(Collin Morikawa, Justin Thomas und Xander Schauffele, Photo by Mike Ehrmann/Getty Images)

Am liebsten wäre Long natürlich die goldene Medaille um den Hals. Dafür muss er sich aber gegen namhafte Konkurrenz durchsetzen. Zwar sagten einige Topstars wie Jon Rahm, Bryson DeChambeau (beide Corona) oder Dustin Johnson ihren Start in Tokio ab, aber mit Collin Morikawa, Justin Thomas und Xander Schauffele sind noch immer drei der Top-5-Spieler dabei. Und bei denen heißt das Motto mit Sicherheit nicht "dabei sein ist alles". Allen voran Morikawa surft auf einer absoluten Euphoriewelle, nachdem er erst kürzlich in Royal St. George’s seinen zweiten Major-Titel feierte. Zudem dürften dem 24-Jährigen seine japanischen Wurzeln einen extra Schub Motivation geben. Auch Irland schickt mit Rory McIlroy und Shane Lowry ein schlagkräftiges Duo ins Rennen.

Die Hoffnungen des Gastgeberlandes ruhen auf den Schultern des amtierenden Masters-Champions, Hideki Matsuyama, der hinter der Tennisspielerin Naomi Osaka zu den erfolgreichsten japanischen Sportlern der Gegenwart zählt. Da sich Osaka bereits in der dritten Runde aus der Einzelkonkurrenz verabschiedete, dürfte der Druck für Matsuyama nicht unbedingt kleiner geworden sein. Aufgrund eines positiven Corona-Tests konnte sich der 29-Jährige nicht optimal auf das große Karriere-Highlight vorbereiten. So verpasste Matsuyama unter anderem die Open Championship, was aber zur Folge haben dürfte, dass er in Tokio gut erholt auf Medaillenjagd gehen kann. Zudem sammelte der Lokalmatador bereits jede Menge Erfahrung auf dem Platz des Kasumigaseki Country Clubs. Neben einem Sieg bei der Japan Junior Championship krönte er sich hier auch schon zum Asia-Pacific-Amateur-Champion.

Alles zum Olympia-Platz >>>

Egal wer sich am Ende der Woche mit einer Medaille schmücken darf. Schon jetzt steht fest, dass es für jeden der 60 Athleten die erste olympische Medaille sein wird. Denn Justin Rose, Henrik Stenson und Matt Kuchar sind in diesem Jahr nicht am Start. Für neun Golfer ist es bereits die zweite Olympia-Teilnahme, nachdem Golf 2016 sein lang ersehntes Olympia-Comeback feierte. Damals wurde der Belgier Thomas Pieters Vierter. Sein Ziel wird es natürlich sein, dieses Jahr mindestens einen Platz besser abzuschneiden. Wie für Pieters gilt für alle etablierten Profis eben nicht nur dabei zu sein. Im Anbetracht des kleinen Teilnehmerfeldes und der überschaubaren Leistungsdichte sind die Medaillenränge für jeden PGA-Tour- sowie European-Tour-Spieler das klar gesteckte Ziel. Ganz nebenbei winken dem Gewinner Startplätze in allen vier Major-Turnieren sowie der Players Championship 2022. Und eine European-Tour-Karte gibt es auch noch oben drauf. Dabei zu sein ist also schon viel, aber eben nicht alles.

Zu den Tee Times und TV-Zeiten >>>

ISPS Handa World Invitational


(David Brandon bei der ISPS Handa Vic Open 2019, Photo by Michael Dodge/Getty Images)

Etwas im Schatten der olympischen Wettkämpfe in Tokio findet ein Event in Nordirland statt, dass es so noch nie in der nördlichen Hemisphäre gab. Wie es bereits die ISPS Handa Vic Open in Australien vorgemacht hat, stößt man nun auch auf europäischem Boden in neue Fahrwasser vor und trägt ein tri-sanktioniertes Turnier aus. Das ISPS Handa World Invitational begrüßt sowohl Spielerinnen der LPGA sowie Ladies European Tour als auch Spieler der European Tour. Entsprechend werden für alle jeweiligen Ranglisten, zu denen auch die europäische Ryder-Cup-Liste sowie das Solheim-Cup-Ranking zählt, Punkte vergeben. Die drei Touren haben hier also ein vollwertiges Profi-Turnier auf die Beine gestellt, dass sich durch sein Format von anderen regulären Events abhebt.

Genau genommen gab es ein solches Event bereits vor zwei Jahren. Damals testete man das neue Projekt noch auf der Challenge Tour und nachdem der Testlauf auf entsprechend positive Resonanz stieß, wertete man das World Invitational nun zu einem European-Tour-Event auf. Das Format bleibt das gleiche: Titel werden in dieser Woche zwei vergeben - einer für die Herren, einer für die Damen. Das Gesamtpreisgeld in Höhe von 2,35 Millionen US-Dollar wird fair auf die beiden gleichzeitig stattfindenden Wettbewerbe verteilt. Um die insgesamt 288 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch unterbringen zu können, wird zunächst auf zwei Plätzen gespielt. Dabei gilt der Galgorm Castle GC als Hauptplatz und wird entsprechend an allen vier Tagen bespielt. Der Massereene GC hilft am Donnerstag und Freitag aus, bevor nach zwei Runden die jeweiligen Teilnehmerfelder ausgedünnt werden. Einen weiteren Cut gibt es nach 54 Löchern, nach dem sich nur die jeweiligen Top 30 für das Finale qualifizieren.


(Olivia Cowan, Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Klingt zunächst etwas kompliziert - ist es aber eigentlich gar nicht. Vielmehr ist es ein weiterer Schritt, sich ernsthaft mit dem Thema Gleichberechtigung im Golfsport auseinanderzusetzen. Eine Agenda, die unter European-Tour-Chef Keith Pelley seit Jahren mit innovativen Events und Neuerungen vorangetrieben wird. Umso erfreulicher, dass beim World Invitational auch zehn Deutsche am Start sind. Bei den Damen treten Olivia Cowan, Esther Henseleit, Sarina Schmidt, Carolin Kauffmann, Laura Fünfstück und Karolin Lampert an. In der Herrenkonkurrenz starten Matthias Schmid, Max Schmitt, Nicolai von Dellingshausen sowie Bernd Ritthammer.

US Senior Women’s Open


(Annika Sörenstam, Photo by Jed Jacobsohn/Getty Images)

Auch in dieser Woche darf man sich wieder auf Major-Golf freuen. Dieses Mal sind einige der besten Seniorinnen im Einsatz. Zum dritten Mal findet die US Senior Women’s Open statt. Einen medialen Schub erhielt das noch recht junge Event durch die Zusage einer Golflegende. Niemand geringeres als Annika Sörenstam gibt ihr Comeback bei einem USGA-Event, nachdem sie zuletzt die US Women’s Open 2008 spielte. Ihr damals letzter Schlag bei dem Turnier war ein eingelochtes Eisen 6 zum Eagle - wie es sich für eine World Golf Hall of Famerin eben gehört. Sörenstam gewann die US Women’s Open drei Mal und nun gibt sie also ihr Debüt bei der Seniorenausgabe. Die inzwischen 50-jährige Schwedin zeigte erst kürzlich, dass sie das Golfspielen noch nicht verlernt hat, als sie den Cut bei einem LPGA-Event schaffte. Dabei trat sie bereits vor 13 Jahren offiziell aus dem Golfzirkus zurück. Bis heute führt sie die LPGA-Geldrangliste mit mehr als 22 Millionen US-Dollar an.

Die 2021er-Ausgabe der US Senior Women’s Open findet im Brooklawn Country Club in Fairfield, Connecticut, statt. Als Titelverteidigerin tritt Sörenstams Landsfrau Helen Alfredsson an. Laura Davies gewann die Erstausgabe 2018 mit insgesamt 16 unter Par und zehn Schlägen Vorsprung auf Juli Inkster.

Die Deutschen im Einsatz:

  • Olympic Men’s Golf Competition: Maximilian Kieffer und Hurly Long
  • ISPS Handa World Invitational, Damen: Olivia Cowan, Esther Henseleit, Laura Fünfstück, Karolin Lampert, Sarina Schmidt und Carolin Kauffmann
  • ISPS Handa World Invitational, Herren: Bernd Ritthammer, Nicolai von Dellingshausen, Matthias Schmid und Max Schmitt
  • Ladies Access Series, Swedish Matchplay Championship: Luisa Dittrich, Verena Gimmy, Anastasia Mickan und Patricia Isabel Schmidt

 

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

Ähnliche Artikel